• vom 24.09.2017, 17:00 Uhr

Bücher aktuell


Literatur

Inspektion der männlichen Spezies




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Shirin Sojitrawalla

  • Peter Schneiders - hoffentlich - satirischer Roman "Club der Unentwegten".



Das Programm seines neuen Romans, "Club der Unentwegten", versenkt Peter Schneider schon im ersten Satz: "Es war vorbei." Diese Angst treibt die ältlichen Herren im Buch zu womöglich letztmaligen Höchstleitungen. Dazu benötigen sie im Wesentlichen junge Frauen, die ihnen zu Diensten sind. Im Mittelpunkt steht der Privatgelehrte Roland, der ein Forschungsstipendium in New York erhält und dort auf die fantastisch junge, fabelhaft aussehende, intelligente, langbeinige, schamlose, sexhungrige Leyla trifft, die sich ebenso in ihn verliebt wie er sich in sie.

Information

Peter Schneider

Club der Unentwegten

Roman. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2017, 284 Seiten, 19,60 Euro.

Nicht viel später fällt der zweite programmatische Satz des Romans: "Dass es nie aufhört!". Die Spanne zwischen beiden Sätzen lotet Schneider munter aus. Denn seit dem letzten Großausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. scheint sich an dieser Front nicht viel getan zu haben. Zu ertragen ist das in Buchform nur, wenn man es als die Satire liest, als die es hoffentlich gemeint ist. Schon das Titelbild, das zwei Frauenbeine unter einem rot schwingendem Rock auf nassem Trottoir zeigt, lässt sich höchstens ironisch erklären. So gibt es denn auch beim Lesen einiges zu lachen, etwa wenn die schamlose Leyla ihrem angegrauten Lover Nachhilfe in digitalen Gepflogenheiten gibt, wobei es Schneider hervorragend gelingt, die Ferne der beiden Liebenden in technisches Vermögen bzw. Unvermögen zu übersetzen.

Wohlwollend könnte man diesen Roman als den Versuch einer ehrlichen Inspektion der männlichen Spezies verstehen, die hier freilich in ihrer oberflächlichen Gier nach Liebe nicht erschöpfend auserzählt wäre. Dabei gelingen Schneider sehr komische Szenen, in denen seine Leidensgenossen die tollsten Kapriolen schlagen, vor allem indem sie ihr Liebesschicksal jenseits der Ehe verorten. "Wie gewaltig, wie verheerend musste der Drang nach einem letzten Liebes-Aufstand sein, dass er selbst skrupellose Machtmenschen dazu trieb, alle Vorsichtsmaßnahmen zu vergessen!", fragt der Roman an einer Stelle. Eine Antwort hat Peter Schneider nicht zu bieten, immerhin aber zelebriert er seinen Liebes-Aufstand mit ehrenwertem Know-How.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-21 17:15:05
Letzte nderung am 2017-09-21 17:26:57



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Verzweifelte Republik
  2. Zische zitternder Zirze
  3. "Minenfelder ohne Landkarte"
Meistkommentiert
  1. Philosophisches Lehrgespräch
  2. zeichen?
  3. Tumulte bei Höcke-Auftritt

Werbung




Werbung


Werbung