• vom 09.10.2017, 09:30 Uhr

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Vertreibung aus dem Paradies




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Von Jeannette Villachica

  • Der berührende autobiografische Debütroman "Kleines Land" von Gaël Faye.



Wie sollte Gabriels Vater seinem Sohn erklären, warum sich Tutsi und Hutu bekriegten? Wo er dem Jungen keinen vernünftigen Unterschied zwischen den Ethnien in Burundi nennen kann. Bisher war es im Schmelztiegel Bujumbura, der Hauptstadt, zweitrangig gewesen, woher man kam. Der Vater selbst stammt aus dem französischen Jura, seine Frau aus Ruanda; sie suchte Sicherheit, er Abenteuer - der permanente Kulturkonflikt, aber sie liebten sich. Doch dann zieht die Krise nicht nur in ihre Ehe ein. Nach 30 Jahren Einheitspartei und Staatsstreichen finden erstmals Präsidentsschaftswahlen statt. Die Hoffnung auf Demokratie währt kurz. Konflikte rivalisierender Interessensgruppen greifen samt Angst, Hass und Gewalt auch auf den 10-jährigen Gabriel und seine Freundesclique über. Alle sind privilegiert, doch auch ihre Onkel sterben als Soldaten, ihre Väter werden ermordet und ihre Mütter wahnsinnig vor Schmerz.

Information

Gaël Faye

Kleines Land

Roman. Übersetzt von Brigitte Große und Andrea Alvermann. Piper, München 2017, 222 Seiten, 20,60 Euro.

Buchpräsentation: Am Mittwoch, 25. Oktober, 19.30 Uhr liest der Autor aus seinem Roman in Hartliebs Bücher, Porzellangasse 36, 1090 Wien. (Deutsche Lesung: Olaf Osten).

In dem autobiografischen Debütroman "Kleines Land" entführt Gaël Faye in seine Kindheit im Bürgerkriegs-Burundi. Der erwachsene Erzähler fühlt sich in Paris wie auf der Durchreise, die Gedanken an eine Rückkehr bedrängen ihn immerzu. Faye floh 1995 nach Frankreich; er lebt heute mit Frau und Kindern in Ruanda. Sein Held Gabriel und dessen Freunde stehlen Mangos aus Nachbars Garten, ringen mit den Trennungen ihrer Eltern und mit dem Neid auf Mitschüler, die mehr besitzen. Nach einem Staatsstreich läuft stets klassische Musik im Radio: auf diesem Weg erfahren sie auch von Massakern im Landesinneren. Und in Ruanda ist alles noch viel schlimmer.

"Kleines Land" ist ein berührender, teils nostalgischer, häufiger jedoch amüsanter Roman mit Multikulti-Großfamilien, paradiesischer Natur, profanem bis skurrilem Alltag, Rassismus, Kriegstraumata, dem Neubeginn in Europa und dem Traum von der Rückkehr.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-06 16:15:12
Letzte nderung am 2017-10-06 16:39:39



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