• vom 30.10.2017, 16:01 Uhr

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Update: 30.10.2017, 16:18 Uhr

Sachbuch

Der holistische Mensch




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Von Alexandra Grass

  • Wie Körper, Geist und Seele ein komplexes System bilden.

Wo jedes Rädchen ineinandergreift, bewirkt schon ein kleiner Flügelschlag eine Kettenreaktion.

Wo jedes Rädchen ineinandergreift, bewirkt schon ein kleiner Flügelschlag eine Kettenreaktion.© Fotolia/Dzmitry Sukhavarau Wo jedes Rädchen ineinandergreift, bewirkt schon ein kleiner Flügelschlag eine Kettenreaktion.© Fotolia/Dzmitry Sukhavarau

"Wer stirbt, ist nicht tot, sondern er lebt durch seine Liebe weiter. Nicht nur in uns, die wir seine Nachkommen sind. Sondern in der ganzen Welt, die er geliebt hat." - Selten beginnen wir, ein Buch rückwärts zu lesen. Dieser Tage, kurz vor Allerheiligen, zeigt dieser vorletzte Absatz des jüngsten Werks des Mediziners und Theologen Johannes Huber allerdings, auf welche Art und Weise sich das viel gepriesene "Weiterleben nach dem Tod" zeigen könnte. Nicht nur für Huber ein guter Grund, unkonventionell zu agieren.

Johannes Huber führt mit "Der holistische Mensch - Wir sind mehr als die Summe unserer Organe" schon ab der ersten Seite in eine Welt, in der die ganzheitliche Sicht der Dinge im Vordergrund steht. Schon in seiner vorherigen Publikation "Es existiert - die Medizin entdeckt die Geheimnisse des Lebens" hat der Mediziner in ein Universum des anderen Denkens gelenkt. Er zeigte den unglaublich langen Prozess der Evolution mit all ihren Facetten auf. Wie sich der Mensch weiterentwickelt und durch welche Einflüsse er geprägt ist.

Information

Der holistische Mensch.
Wir sind mehr als die Summe unserer Organe.
Johannes Huber
Verlag edition a
335 Seiten, 24,90 Euro

Blick hinter die Kulissen

Das noch junge Forschungsfeld der Epigenetik, das sich auch mit den Einflüssen, die uns Gefühle bescheren, beschäftigt, zeigt die stetige Weiterentwicklung des Homo sapiens auf. Die Epigenetik kommt auch dieses Mal nicht zu kurz. Denn sie ist ein Baustein des großen Ganzen, das Huber zu erklären versucht. Er präsentiert in seinen Schilderungen nicht immer nur wissenschaftlich Abgesichertes, sondern ermöglicht einen Blick in einen Kosmos, der heute noch nicht erklärbar ist - vielfach als Glaube hochgehalten oder auch abgetan wird.

Auch in seinem neuesten Werk bringt der Mediziner, Theologe und ehemalige Sekretär des früheren Wiener Erzbischofs Kardinal König seine beiden Fachgebiete in Einklang - und versucht, den Menschen als Gesamtheit zu verstehen. Deshalb geht es in dem Buch auch weniger um die Weiterentwicklung des Menschen an sich. Vielmehr zeigt der Autor nun auf, was wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen - die Seele, das Vorher, das Danach. Er präsentiert ein holistisches Menschenbild, das die Forschung erst langsam zu verstehen lernt. Diese Überlegungen können als gelungene Fortsetzung von "Es existiert" gesehen werden, aber auch als weitaus tieferer Einblick in die Materie Mensch.

Nicht nur Johannes Huber scheint der Ansicht zu sein, dass die Liebe über allem steht. Doch die wahre Bedeutung würde erst klar werden, wenn wir hinter die Kulissen schauen. Nämlich hinter die Kulissen der körperlichen Liebe genauso wie hinter die Kulissen von Zeugung, Schwangerschaft und Geburt.

So seien etwa Körperflüssigkeiten, allen voran das Blut, in der Lage, Menschen zusammenzuführen. Kinder tragen damit die Gene des Vaters, der Mutter und auch ihrer geborenen und/oder ungeborenen Geschwister in sich. Ebenso findet sich demnach das Erbgut der Ahnen in unseren Organismen - weitergetragen durch die Liebe, nicht nur der physischen, wie Huber betont.

"Die Hormone, die beim Geschlechtsverkehr ausgeschüttet werden, setzen Abläufe in Gang, die unser Gehirn wachsen lassen, unser Herz stärken, unsere Haut pflegen, und die uns noch verliebter machen. (. . .) Kinder würden ohne Liebe, überspitzt gesagt, nicht wachsen." Die Zuneigung der Eltern sorge nicht nur für eine Verkabelung im Gehirn, sondern überhaupt dafür, dass sich die entsprechenden Hirnregionen entwickeln. Die Liebe sei allerdings mehr "als hormongesteuerte Fortpflanzung und Fürsorge für den Nachwuchs. Sie macht uns zu dem, was wir sind, zu kritisch denkenden und träumenden Menschen", so Huber.

Die Medizin lerne zudem "jeden Tag, dass unser Körper mehr als die Summe seiner Organe ist, dass es offensichtlich eine Information dahinter gibt, die die einzelnen Organe in teilweise noch unbekannter und überraschender Weise miteinander verbindet". So stehe die Brust in Verbindung mit dem Gehirn, die Knochen mit der Leber oder etwa die Gebärmutter mit dem Herzen. "Das ist neu und spricht für eine Verschränkung, die aber nicht nur unseren Körper betrifft, sondern auch unsere Umwelt." Dieses Lied scheint die Medizin erst langsam zu verstehen.

Aber solange das Verstehen und die wissenschaftlichen Details dazu noch nicht greifbar sind, bleibt allein der Glaube - an ein Leben vor der Geburt und ein Leben nach dem Tod. Das ist, so Huber, "intellektuell redlich".





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-30 16:05:06
Letzte nderung am 2017-10-30 16:18:00



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