• vom 09.11.2017, 13:03 Uhr

Bücher aktuell

Update: 09.11.2017, 13:59 Uhr

Krimi

Ein Sommer wie damals




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Mathias Ziegler

  • Thomas Brezinas Knickerbockerbande ist zurück. Die vier sind mit ihren Fans mitgewachsen - das Abenteuer, das sie erleben, nicht unbedingt.



Als Band eins, "Rätsel um das Schneemonster", Anfang der 1990er Jahre erschien, waren die Fans der Knickerbockerbande so wie die vier Protagonisten plus/minus zehn Jahre alt (so auch der Schreiber dieser Zeilen). zwei Jahrzehnte lang legte ihr Schöpfer Thomas Brezina Jahr für Jahr mehrere neue Abenteuer nach, bis der erfolgreiche Kinderbuchautor sich irgendwann endgültig anderen literarischen Baustellen widmete, zumal die Knickerbocker-Fangemeinde der ersten und auch zweiten Stunde endgültig der Kinder- und Jugendliteratur entwachsen war. Doch wie es so ist mit den Serien unserer Kindheit: Irgendwann feiern sie ein Comeback. Und das gilt eben nicht nur für die "Biene Maja" und "Wickie", sondern auch für die Knickerbockerbande. Der Wunsch nach Nostalgie ist in der Generation X einfach groß genug, um das zu rechtfertigen (vor allem haben manche Leser von damals inzwischen selbst Kinder, die ihre Bücher erben). Thomas Brezina hat für sein Knickerbocker-Revival einen nicht so häufigen Zugang gewählt: Er hat seine vier Helden mit ihren Fans mitwachsen gelassen.

A-a-a-axel (das Stottern aus den Hörspielen hat der Schreiber dieser Zeilen immer noch im Ohr), Lilo, Poppi und Dominik sind also inzwischen längst großjährig und stehen voll im Berufsleben. Und vor allem Lilo hat mit dem Detektivspielen ihrer Kindheit und Jugend komplett abgeschlossen und findet es heute einfach nur noch kindisch. Was auch damit zu tun hat, dass sich die Bande vor Jahren zerstritten hat, nachdem Lilos Vater in einer Lawine verunglückt ist - woran sie Axel die Schuld gibt. Dass diesem Unglück rätselhafte Phantomsichtungen von drei der vier Knickerbocker-Mitglieder vorangegangen waren, wird später noch eine Rolle spielen. Denn damals wurden die vier von jemandem beobachtet, dessen Motive Brezina für seine Leser zunächst unklar lässt. Und der sie auch jetzt, in der Erzählung der Gegenwart beobachten lässt, als die Knickerbocker überraschend doch wieder zusammenfinden.

Information

Thomas Brezina:
Knickerbocker4immer -
Alte Geister ruhen unsanft
Ecowin; 412 Seiten; 18 Euro

Über verschiedene Wege - und teils nicht ganz freiwillig - landen sie nämlich auf einer kleinen britischen Insel, auf der einmal vier Leute während eines schweren Sturms nicht spurlos (es gab jede Menge Blut), aber unauffindbar verschwunden sind und für tot erklärt wurden. Und nun wurden die vier einstigen Juniordetektive hierhergelockt, ohne allerdings eine Ahnung von den wahren Hintergründen zu haben. Und plötzlich sind sie mutterseelenalleine auf einer einsamen Insel - oder auch nicht.

Was folgt, ist ein spannungsgeladenes Kammerspiel mit unheimlichen Begegnungen, das sich bald als doppeltes Doppelspiel entpuppt, sprich: Die Knickerbocker werden nämlich offenbar von mehreren Parteien zumindest beobachtet, die wiederum untereinander in Konkurrenz stehen. Eine verworrene Ausgangsposition für einen Detektivroman, der zunächst eine gewisse Zeit braucht, bis er an Fahrt aufgenommen hat, sich aber immerhin am Ende dann schlüssig aufklärt. Bis dahin müssen natürlich noch die diversen Eigenheiten der verschiedenen Knickerbocker in Einklang gebracht beziehungsweise die Versöhnung und Wiederentdeckung der Freundschaft nach Jahren der Entfremdung gesucht werden. Und so ist Thomas Brezinas Romanprojekt der erwachsenen Knickerbockerbande letztlich zum Kinderabenteuer für Erwachsene geraten: durchaus spannend, ein bisschen das Gefühl von Heimkommen beim Lesen der vertrauten Figuren - aber insgesamt zu harmlos und kindisch (um Lilo zu zitieren), um einen Mittdreißiger ernsthaft mitzureißen. Aber allein schon aus Nostalgiegründen wird der neue Band "Alte Geister ruhen unsanft" Einzug in etliche Bücherregale der Generation X halten.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-09 13:48:25
Letzte nderung am 2017-11-09 13:59:42



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. vergleiche
  2. Experiment in Entschleunigung
  3. Trau dich!
Meistkommentiert
  1. Ein Amerikaner besucht Wien
  2. Seiten für die Ewigkeit
  3. Österreichischer Buchpreis für Eva Menasse

Werbung




Werbung


Werbung