• vom 23.12.2017, 15:00 Uhr

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Zahnfleisch und Paarbeziehungen




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Von Heimo Mürzl

  • Miika Nousiainen leichtfüßiger Roman "Die Wurzel alles Guten".



Die spinnen, die Finnen. Alle Jahre wieder bestätigt ein hierzulande noch zu entdeckender finnischer Autor mit einem schräg-skurrilen Roman die Richtigkeit dieser These. Miika Nousiainen ist mit "Die Wurzel alles Guten" ein lebenspraller, mit Verve, Esprit und viel Witz erzählter Roman gelungen, dessen delikate Mischung aus schrägem Humor, unverwechselbarer Erzählidee und skurrilen Figuren ein wenig an seinen erfolgreichen finnischen Schriftstellerkollegen Arto Paasilinna erinnert.

Information

Miika Nousiainen

Die Wurzel alles Guten

Roman. Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat. Nagel & Kimche, München 2017, 255 Seiten, 20,60 Euro.

Pekka und Esko Kirnuvaara sind Halbbrüder. Was sie aber lange nicht wissen. Erst ein Zahnarztbesuch von Pekka - der getrennt von Frau und Kindern lebt und in Helsinki eine nicht gerade erfolgreiche Werbeagentur betreibt - ändert das. Denn der neue Zahnarzt von Pekka trägt nicht nur denselben ungewöhnlichen Nachnamen wie er. Auch ihre Nasen ähneln einander zum Verwechseln, und beiden Männern fehlen die Fünfer-Zähne. Eine Seltenheit und eine Sache der Vererbung. Nach der überfälligen Wurzelbehandlung bei Pekka ist klar: Er und Esko sind Halbbrüder. Wie sich herausstellt, waren die beiden drei Jahre alt, als ihr Vater sich aus dem Staub machte. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach ihm. Auf ihrer abenteuerlichen und irrwitzigen Reise von Finnland nach Schweden, von Schweden nach Thailand und von Thailand nach Australien entledigen sich die ungleichen Halbbrüder nicht nur ihres zivilisatorischen Zwangskorsetts und lernen sich und die Welt besser kennen, sie finden auch noch weitere Halbgeschwister.

Vergnüglich zu lesen ist dieser Roman vor allem deshalb, weil Miika Nousiainen sich wenig um tradierte Konventionen und scheinbar unverrückbare Realitäten kümmert, sondern großen Spaß daran hat, den alltäglichen Wahnsinn ganz beiläufig und leichtfüßig zu schildern und so den mitunter dramatischen Schicksalen seiner Protagonisten die fast erdrückende Schwere zu nehmen. Wie der Autor etwa Zahnprobleme und Liebesbeziehungen miteinander vergleicht, macht ihm so schnell keiner nach, und sollte auch die letzten Zweifler von der tiefgründig-schelmischen Heiterkeit dieses Romans überzeugen: "Nichts ist so hinterhältig wie Zahnfleisch und Paarbeziehungen - beide entzünden sich in aller Heimlichkeit und machen erst dann auf sich aufmerksam, wenn es zu spät ist."





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-22 15:50:09
Letzte nderung am 2017-12-22 16:10:13



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