• vom 20.04.2012, 15:41 Uhr

Bücher aktuell

Update: 04.05.2012, 11:58 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Die Germanisten Volker Klotz und Heinz Schlaffer widmen sich beide der Lyrik, gehen dabei jedoch unterschiedliche Wege - und kommen zu verschiedenartigen Resultaten.

Lyrik en Detail und en Gros



Volker Klotz

Volker KlotzFoto: Josef Polleross Volker KlotzFoto: Josef Polleross

Solch minutiöse Betrachtungen sind gewiss umständlich. Beispielsweise braucht Klotz 20 Druckseiten, um ein vierzehnzeiliges Sonett des Barockdichters Georg Rudolf Weckherlin zu erläutern. Zu schnellem Überblickswissen tragen diese Kapitel nicht bei. Wer aber genügend Liebe zur Sache mitbringt, kann von Volker Klotz lernen, wie man anspruchsvollen lyrischen Texten en Detail gerecht wird.

Heinz Schlaffer

Heinz SchlafferFoto: privat Heinz SchlafferFoto: privat

Heinz Schlaffer gibt sich nicht mit der Betrachtung einzelner Gedichte ab. Ihm geht es um die Entfaltung einer großen kulturtheoretischen These: Die Lyrik, erklärt er, hatte ursprünglich sakrale Funktionen. Sie diente der Geisterbeschwörung, der Magie und dem Dialog mit Göttern und Dämonen. Aus diesen "Zwecken" entstanden, so Schlaffer, die "Mittel" des lyrischen Sprechens (also vor allem Vers und Reim), die geeignet sind, die Dichtersprache als eine besondere Sprache zu kennzeichnen. Im Lauf der Jahrhunderte hat sich die Lyrik nun von ihren Ursprüngen entfernt - aus der "Geistersprache" wurde die Verskunst, die nach mehr oder weniger strengen Regeln versuchte, alte "Mittel" weiter zu verwenden, ohne sie weiterhin den traditionellen "Zwecken" zu unterwerfen.

Schlaffer macht aber auch überzeugend klar, dass die alten magischen, rituellen und religiösen Kräfte in der scheinbar säkularisierten Poesie der Neuzeit weiter leben: In Gedichten, die einer Person gewidmet werden, erhält sich die alte Tradition der "Anrufung" - und dergleichen mehr.

Mit solch grundlegenden Erwägungen öffnet Schlaffers elegant geschriebener Essay die Augen für einige der kulturellen Tiefenstrukturen, die dem weltweit verbreiteten Phänomen "Lyrik" zugrunde liegen.

Man sieht also, Heinz Schlaffer behandelt sein Thema en Gros. Auf Seite 14 des Buches spricht er zum Beispiel zuerst von der Rig-Veda (Sanskrit), dann über Giosué Carducci (Italien, 19. Jahrhundert), streift dann auf Seite 15 sowohl den Earl of Rochester (England, 17. Jahrhundert) als auch Rolf Dieter Brinkmann (Deutschland 20. Jahrhundert), um schließlich bei Goethe anzukommen, bevor noch das Ende der Seite erreicht ist.

Diese Vogelschau des Überfliegers gibt zwar den Blick auf die sogenannten "großen Linien" frei - weckt aber zugleich die Sehnsucht nach all den vielen schönen Einzelheiten, die dabei zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Sie aber werden von Volker Klotz liebevoll beachtet. So gesehen, ist es wohl am besten, wenn Liebhaber der traditionellen Lyrik beide Bücher lesen.




Schlagwörter

Rezension, Extra, Lyrik, Literatur

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-20 15:47:08
Letzte Änderung am 2012-05-04 11:58:31


Französischer Text wurde aus Sprechblase entfernt

Flämischer Politiker wütet gegen Comic

Schuiten - Zeichnung: François Schuiten, Collage: WZ Online Der Sprachenstreit zwischen Flamen und Wallonen in Belgien wird von Politikern jetzt auch auf Comics übertragen. Auf Veranlassung eines flämischen... weiter




Von Disney bis Underground

"Gratis-Comic-Tag" am 11. Mai

20130510Die Simpsons - Der Film - APAweb/dpa Berlin. Beim Gratis-Comic-Tag werden am Samstag (11. Mai) in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 300.000 kostenlose Hefte verteilt... weiter



Werbung




Beliebte Inhalte



Geschafft: Goldtor-Schütze Arjen Robben triumphiert. - APAweb / EPA / Andy Rain
  • Robben-Tor in der vorletzten Minute entschied hochklassiges Finale.
  • weiter

Der Papst wünscht eine Renaissance des Begriffs "Solidarität". - APAPweb/Alessandra Tarantino)
  • Franziskus: Solidarität muss wieder staatsbürgerliche Tugend werden.
  • weiter

Barbara Eden als "bezaubernde Jeannie" mit Elton John (links) und Cornelius Obonya am Rathausplatz. - APAweb / EPA / Georg Hochmuth
  • Stars im Dienste der AIDS-Hilfe: Bill Clinton, Elton John, Melanie Griffith und Hilary Swank zu Besuch in Wien.
  • weiter

Dortmunds Robert Lewandowski und Bayerns Dante rittern in Wembley um den Ball. - APAweb / AP / Alastair Grant
  • Bayern gegen Dortmund, live aus dem Twitter-Stadion.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter





Stammgast beim Life Ball: Bill Clinton.

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung