• vom 04.05.2012, 14:18 Uhr

Bücher aktuell

Update: 04.05.2012, 14:50 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Péter Nádas setzt mit einem hochartifiziellen Roman über die deutsch-ungarische Geschichte neue Maßstäbe. Erzählerische Opulenz und enzyklopädischer Anspruch zeichnen das Werk aus.

Nádas, Péter: Parallelgeschichten



Enzyklopädist und Genauigkeitsfanatiker: Péter Nádas.

Enzyklopädist und Genauigkeitsfanatiker: Péter Nádas.Foto: Wikimedia Enzyklopädist und Genauigkeitsfanatiker: Péter Nádas.Foto: Wikimedia

Raffung und Dehnung
Dieser Roman hat einen beinahe enzyklopädischen Gestus und versprüht einen unaufgesetzten, allein durch die Handlung legitimierten Universalitätsanspruch. Trotz Nádas Affinität zur erzählerischen Opulenz des 19. Jahrhunderts arbeitet er geschickt mit Zeitraffung und Dehnung. Er beherrscht beide Techniken ebenso virtuos wie den Wechsel der Erzählperspektiven. Bei einer malerisch beschriebenen Taxifahrt durch Budapest inszeniert er eine Unterhaltung des Chauffeurs mit seinen weiblichen Fahrgästen und unterfüttert diese glanzvolle erzählerische Passage mit inneren Monologen aller drei Figuren. An dieser Stelle sei auch die vorzügliche Übersetzung von Christina Viragh gelobt.

Ob nun Robert Musil, wie viele Experten mutmaßten, oder doch Nikolai Gogol (auf den sich Nádas sehr oft bezieht) hier stärker literarisch Pate stand, sei dahingestellt. Man könnte in diesem Zusammenhang auch Tolstoj, Balzac, Schnitzler und Heimito von Doderer anführen, aber im Geiste ist Péter Nádas in seinem Epos auch ganze nahe bei Sigmund Freud.

Die "Parallelgeschichten" sind mehr als eine anstrengende literarische Hochgebirgswanderung, bei der man alle Sinne schärfen muss. Das ist ein künstlerischer Achttausender, ein kolossales Buch wie ein Himalaya-Brocken, das nicht gelesen, sondern bezwungen werden will. Nur gut Trainierte werden den Gipfel (das Romanende) erreichen und ein einmaliges Glücksgefühl erleben.




Schlagwörter

Rezension, Extra, Literatur

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-04 14:02:05
Letzte Änderung am 2012-05-04 14:50:57


Französischer Text wurde aus Sprechblase entfernt

Flämischer Politiker wütet gegen Comic

Schuiten - Zeichnung: François Schuiten, Collage: WZ Online Der Sprachenstreit zwischen Flamen und Wallonen in Belgien wird von Politikern jetzt auch auf Comics übertragen. Auf Veranlassung eines flämischen... weiter




Von Disney bis Underground

"Gratis-Comic-Tag" am 11. Mai

20130510Die Simpsons - Der Film - APAweb/dpa Berlin. Beim Gratis-Comic-Tag werden am Samstag (11. Mai) in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 300.000 kostenlose Hefte verteilt... weiter



Werbung




Beliebte Inhalte



Emmelie de Forest holt den nächsten Song Contest nach Dänemark. - APAweb / AP / Alastair Grant
  • Emmelie de Forest setzte sich mit "Only teardrops" gegen 25 Konkurrenten durch.
  • weiter

  • Formel 1, Radio-Symphonieorchester und 250 Jobs stehen zur Diskussion.
  • weiter

Jon Bon Jovi stand glücklich im Regen. - APAweb/Herbert Pfarrhofer
  • Pollen konnten dem Sänger diesmal nichts anhaben.
  • weiter

 - APA (epa) Eine Sturmflut kurz vor dem Pfingstwochenende hat an den Stränden an der Oberen Adria schwere Verwüstungen angerichtet...weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

  • Der Streit um religiöse Symbole ist ein Nebenschauplatz
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter





Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung