Gäbe es nicht Hugo Portischs nun schon etwas betagtes, aber immer noch exzellentes Werk, das in Fernsehserien und in großen Bänden die österreichische Geschichte aufzuarbeiten versucht hatte, dann wäre das Vakuum noch viel auffälliger. Umso stärker ist der Kontrast zu den beiden Bänden von Guido Knopp - einem ebenfalls durch das Fernsehen (wo er freilich ein wenig überheblich wirkt) wie auch durch viele Bücher bekannten deutschen Journalisten.
Er legt unter dem knappen Titel "Die Deutschen" zwei Bände vor, die in spannend geschriebener, exzellent illustrierter und Portisch überaus ähnlicher Form die Geschichte der Deutschen seit dem Mittelalter aufarbeitet. Es gibt freilich einen Unterschied: Guido Knopp beginnt die Geschichte nicht so wie praktisch alle einschlägigen österreichischen Versuche erst mit dem Ersten Weltkrieg, sondern schon im 10. Jahrhundert. Hierzulande geht man ja dem gesamten Vorlauf zum 20. Jahrhundert hingegen peinlich aus dem Weg, was die Republik geistig auf ein sehr dünnes Fundament stellt. Wo auch immer man bei Knopp danach sucht: Nirgendwo kann man ihm den kleinsten Fehler oder gar eine nationalistische Schlagseite nachweisen. Dennoch interpretiert er die Geschichte und erzählt sie brillant.
Knopp, Guido / Brauburger, Stefan / Arens, Peter: Die Deutschen - vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. 448 Seiten, 25,40.