• vom 22.03.2013, 13:08 Uhr

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Update: 02.09.2013, 14:59 Uhr
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Literarisches Buch

Ahmad, Jamil: Der Weg des Falken


Von Stefan Weidner
  • Jamil Ahmad schildert die Welt der pakistanischen Stammesgebiete im Grenzgebiet zu Afghanistan. Tradition, Ehrenkodex und Patriarchat prägen diese Gesellschaft stärker als der Islam.

Es gibt den Fluch der literarischen Ungleichzeitigkeit: Die besten Bücher hinken den geschilderten Ereignissen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinterher. Andere kommen zu früh: Die Romane, die die arabischen Revolutionen erklären, etwa jene von Alaa al-Aswani, sind Jahre vor 2011 erschienen und im Westen lange unbemerkt geblieben.

Der pakistanische Autor Jamil Ahmad.

Der pakistanische Autor Jamil Ahmad.© Foto: EPA/CAN'MEREY Der pakistanische Autor Jamil Ahmad.© Foto: EPA/CAN'MEREY

Jamil Ahmad, Jahrgang 1933, ein in Literaturkreisen unbekannter pakistanischer Pensionist, hat diesen Fluch jetzt ausgetrickst. Sein Rezept: Vorher schreiben, nachher veröffentlichen. Wären seine Geschichten vor vierzig Jahren erschienen, als er sie verfasste, sie wären kaum beachtet worden. Nun sind sie ein internationaler Bestseller. Denn das Ende der Welt, das Jamil Ahmad beschreibt, die afghanisch-pakistanische Grenzregion, wo der Autor einst als Staatsbeamter tätig war, ist inzwischen zum Rückzugsgebiet von al-Qaida und Taliban geworden.

"Der Weg des Falken", wie sein spätes Debüt heißt, ist eine Art Novellenkranz, der uns berichtet, wie die Menschen dort einst gelebt, geliebt und gedacht haben. Das Werk vermag solcherart die Verbissenheit der heutigen Auseinandersetzungen zumindest ein Stück weit verständlich zu machen, und es tut dies unter Verzicht auf alle Wertungen, wie es heute kaum mehr möglich wäre.

Information

Jamil Ahmad: Der Weg des Falken. Erzählungen. Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini. Hoffmann und Campe, Hamburg 2013, 188 Seiten, 19,99 Euro.

Ein Mann entführt seine Geliebte. Auf der Flucht vor den Verfolgern lässt sich das Paar neben einem unwirtlichen Außenposten der Armee nieder und bekommt ein Kind. Als die Eltern Jahre später von ihren Verfolgern gefunden und erschlagen werden, wird der Junge neben den Leichen zurückgelassen. Dieses Kind ist der Falke, dessen "Weg" durch die Geschichten das Leitmotiv abgibt; die eigentlichen Helden sind aber immer die anderen, die den Jungen finden und aufnehmen. Zum Beispiel die Belutschen, die sich gegen den Staat erheben, der ihnen - entgegen der Tradition - vorschreiben will, wer ihr Oberhaupt zu sein hat.

Ehrenmänner, die sie sind, glauben sie einem Flugblatt, das ihnen freies Geleit zusichert. In der Stadt angekommen, werden sie nach einer empörenden Gerichtsverhandlung zu Tode verurteilt. "Über die Belutschen, ihr Anliegen, ihr Leben und ihren Tod wurde absolutes Stillschweigen vereinbart. Kein Zeitungsredakteur riskierte, sich ihretwegen eine Strafe einzuhandeln. Kein Bürokrat setzte seine Stellung aufs Spiel. Was mit ihnen starb, war ein Teil des Belutschenvolkes selbst. Ein Teil der Spontaneität, mit der sie Zuneigung anboten, und etwas von ihrer Höflichkeit und ihrem Vertrauen. Auch dieses wurde vor Gericht gestellt und starb mit diesen sieben Männern."

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