
(was.-) Wie der Titel sagt, hofft die Autorin auf die Auflehnung der zahlreichen jungen Muslime Deutschlands, vor allem der weiblichen, gegen die traditionalistische, von Islamschulen gelenkte Auslegung ihrer Religion. Lale Akgün ist in der Türkei geboren und kam mit neun Jahren nach Deutschland. 2002 bis 2009 war sie als SPD-Mitglied Abgeordnete des Bundestags. Akgün zerlegt die erzkonservative Manipulation des Islam, weil diese zur Freiheitsberaubung führe. Die Burka nennt sie ein Ganzkörperkondom. Erneuerung müsse "von innen heraus" gelingen. Da ist viel Wahres dran, auch wenn sie oft so schreibt, als sei der Reformprozess bereits im Gang. Eines zeigt das Buch, das in islamischen Staaten gar nicht erscheinen könnte: Die große Zahl von Migranten in Deutschland werden sich nicht der geistigen Auseinandersetzung mit Eltern und Glaubenslehrern verschließen. Es wird lange dauern, aber im Westen sind die Gedanken frei. Es wäre einmalig in der Geschichte, dass die junge Generation nicht neugierig genug wäre, um in ihrer Umwelt die Lust zur Emanzipation zu entdecken.
Lale Akgün: Aufstand der Kopftuchmädchen. Deutsche Musliminnen wehren sich gegen den Islamismus. Piper Verlag, 280 Seiten, 17,50 Euro.