• vom 09.08.2013, 15:59 Uhr

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Update: 02.09.2013, 11:43 Uhr
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Literarisches Buch

Ambros, Peter: Das wortreiche deutsche Schweigen


Von Robert Schediwy

Peter Ambros war Pressesprecher der jüdischen Gemeinde in Berlin. Von jemandem in solch offizieller Funktion erwartet man sich wohl formulierte Statements ohne allzu persönlichen Charakter. Umso mehr überrascht der Inhalt dieses gedankenvollen Buches. Es zeigt einen Selbst- und Querdenker im besten Wortsinn.

Ambros gibt sich höchst skeptisch gegenüber der "politisch korrekten", aber zum Lippenbekenntnis erstarrten deutschen "Erinnerungskultur" und er ergreift Partei für Günter Grass, Philipp Jenninger, Martin Walser. Er kritisiert massiv die bizarre Trägheit des deutschen Verfassungsschutzes gegenüber der Mordserie des Neonazi-Untergrunds, aber er wendet sich gegen die These von der deutschen Kollektivschuld, die "bei den meisten vernünftigen Erdbewohnern längst vom Tisch" sei. Er getraut sich das Z-Wort zu verwenden, schreibt von den "aus den Konzentrationslagern befreiten Juden und Zigeunern". Er berührt Tabus wie die polnischen Nachkriegspogrome gegen Juden, und er nennt Adornos Satz, der "nach Auschwitz" kein Gedicht mehr dulden wollte, unselig.

Dieses Buch ist auch eine Art Résumé eines intellektuellen Lebens- und Berufswegs. Es ist partiell sehr persönlich gehalten - darin liegt seine Stärke wie seine Schwäche. Zwischentitel wie "Ich rechne ab" oder Klagen über die geringe Verbreitung einer eigenen Publikation befremden doch ein wenig. Selbst- und Querdenker müssen damit rechnen, gegenüber den Chorsängern des jeweiligen Zeitgeistes benachteiligt, ja sogar totgeschwiegen zu werden. Warner, die unangenehme Wahrheiten offen aussprechen, bleiben in der Regel unbedankt.

Peter Ambros: Das wortreiche deutsche Schweigen. Streitschrift. Argument Verlag, Hamburg 2013, 192 Seiten, 18 Euro.




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