
(was.-) Glaubt man dem Autor, so sind parlamentarische Abgeordnete für die Demokratie ziemlich schädlich, wenigstens in Deutschland. Wenn sie einmal ihren Sitzplatz haben, geben sie ihn nicht auf, da können die Bürger wählen, so oft sie wollen.
Hans Herbert von Arnim nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Die Volksparteien, die er lieber als Allerweltsparteien bezeichnet, verlieren zwar ständig Wähler, leiden aber viel weniger darunter als Kirchen und Gewerkschaften unter ihrem Mitgliederschwund. "Denn sie halten sich stattdessen an die staatlichen Posten, die sie sich unter den Nagel reißen, und tun sich an den staatlichen Finanzen gütlich, die sie sich in eigener Sache bewilligen."
Mit anderen Worten: Das Volksparteiprinzip funktioniert noch immer recht gut, selbst wenn sich das Volk verabschiedet. Die Geschichte der Wahlrechtsreformen lasse eine "progressive Verengung auf die Interessen der politischen Klasse und die sukzessive Abschottung vom Volk" erkennen. - Keine guten Aussichten also für gelebte Demokratie. Nur in Deutschland? Wer das glaubt, wird auch nicht selig.
Hans H. von Armin: Volksparteien ohne Volk. C. Bertelsmann Verlag, 400 Seiten, 20,60 Euro.