
Aber die Musik ist bis heute eine seiner großen "Secret Passions" geblieben. Und diese Leidenschaft hat ihn wie andere in die Bibliothek der Hochschule für Angewandte Kunst gebracht. Dort hielt der Universitätslektor, Musiker und Konzertmanager Edek Bartz von 2002 bis 2009 Vorlesungen zum Thema Künstler/Architekten und deren Musikleidenschaften. Bartz hat über die Jahre Personen wie Markus Muntean, Urs Fischer, Christian Attersee, Daniel Richter oder den Architekten Wolf D. Prix eingeladen, über ihre meist profunde Kenner- und Leidenschaft über und zur Musik zu erzählen. Im kargen Bibliotheksambiente, umgeben von Platten-, Kassetten- und CD-Spielern, wurden sie nicht nur über den persönlichen Zugang befragt, sondern brachten auch angewandte Beispiele mit und diese den Studenten zu Gehör - mit anschließender Diskussion.
Diese Gesprächsserie liegt jetzt als Sammelband in Buchform vor. Natürlich ist das Themenfeld, zwischen bildender Kunst und Musik, zwischen gegenseitiger Beeinflussung und Abgrenzung, kein diskursives Neuland mehr. Crossover-Projekte waren im letzten Jahrzehnt weltweit in kuratierten Ausstellungen oft genug zu hören und zu sehen. Aber in diesem Fall gibt es doch einige bemerkenswerte Annäherungen und Sichtweisen zu entdecken.
Wochenlang Discosounds
Das liegt einerseits an der Auswahl der Künstler, die tatsächlich oft Unvermutetes präsentierten, andererseits an Edek Bartz, der aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung im Musik- und Kunstgeschehen fachkundige Fragen stellen und übergreifende Verbindungen aufgreifen konnte. So ist etwa zu entdecken, welches Wissen sich Markus Muntean vom Künstlerduo Muntean/Rosenblum über flämische Renaissancemusik angeeignet hat. Es regt zum Schmunzeln an, wenn der sonst so distanzierte, ernste Urs Fischer gesteht, dass er wochenlang seichten Discosound hören kann.
Am anderen Ende der musikalischen Skala bekommt Daniel Richter bei Puccini-Arien glasige Augen, und Prix schwärmt davon, nur einmal, nur ein einziges Mal wie Keith Richards oder Pete Townshend Gitarre spielen zu können. Und es gehört zu Prix´ geheimen Leidenschaften, privat die Gitarre zu würgen. Diese und andere Porträts, eingebunden in kunst- und musikhistorische Abhandlungen, befinden sich in diesem kurzweiligen Kompendium. Und die gelungene grafische Gestaltung macht es für den Leser als Privat-DJ möglich, die erwähnten Musikstücke zur richtigen Zeit abzuspielen. Ein angewandtes "Lese-Hör-Buch" sozusagen.
Edek Bartz, Gabriele Koller und Gerald Bast: Secret Passion. edition angewandte im Springer Verlag, , 280 Seiten, 29,95 Euro.