
(hai) Dass Thronfolger Franz Ferdinand ein schießwütiger Jäger und unersättlicher Kunstsammler war, ist bekannt. Doch wird übersehen, dass er in den letzten Lebensjahren als Protektor der "Zentralkommission für Denkmalschutz" den Kunsthandel beim Ausverkauf von Skulpturen und Gemälden bremste, die Verwendung von Eternit anstelle von Holzschindeln verbot und in Galizien aus Holz gebaute griechisch-katholische Kirchen und Synagogen vor dem Abbruch rettete. Er war ein gefürchteter Choleriker, der über "das unfähige Juristenpack" zeterte und einen Beamten als "tückisches, verlogenes Miststück" aktenmäßig brandmarkte. Die lasche Amtsführung im - an Denkmalen und beweglicher alter Kunst reichen - Land Tirol brachte ihn oft in Rage. Ein exzellenter Mitarbeiter war der Kunsthistoriker Max Dvorak. Sein Lenkungsinstrument hieß "Militärkanzlei", sein Kampffeld war Österreich von der Bukowina bis Vorarlberg.
In Franz Ferdinands "Kunstakten" blieben auch die Debatten über richtige Denkmalpflege, Amtsaufgaben und Ausfuhrbeschränkungen lebendig. Theodor Brückler, Archivar des Bundesdenkmalamts, hat sie in vieljähriger Arbeit nachlesbar aufgearbeitet und dem Nachbild des Toten von Sarajewo gewinnende Züge gegeben.
Theodor Brückler: Thronfolger Franz Ferdinand als Denkmalpfleger. Böhlau Verlag, 660 Seiten, 59 Euro.