• vom 29.09.2010, 18:34 Uhr

Bücher-Verzeichnis

Update: 29.09.2010, 18:39 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Leserbrief



"Studiengebühren kein Hindernis"

Broukal / Niederwieser (Hrsg.): Bildung in der Krise


  • Zahl der Studienanfänger steigt weiter.
  • Broukal: Freier Uni-Zugang nicht aufrechtzuerhalten.
  • Wien/Essen. Studiengebühren schrecken offenbar nicht vom Studium ab und halten auch Studienberechtigte mit ausländischen Wurzeln oder aus Arbeiterfamilien nicht von den Hochschulen fern. Das zeigt eine aktuelle Studie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, in der deutsche Bundesländer mit und ohne Studiengebühren verglichen wurden.

Uni ohne Gebühren führt nicht automatisch zu mehr Studierenden aus benachteiligten Schichten. Foto: Newald

Uni ohne Gebühren führt nicht automatisch zu mehr Studierenden aus benachteiligten Schichten. Foto: Newald Uni ohne Gebühren führt nicht automatisch zu mehr Studierenden aus benachteiligten Schichten. Foto: Newald

"In den Zahlen der offiziellen Statistik lassen sich keine Hinweise darauf finden, dass Studiengebühren in Höhe von 500 Euro eine abschreckende Wirkung haben. Dies gilt sowohl für Studierende allgemein als auch für Studierende aus bildungsfernen Schichten, aus ärmeren Elternhäusern oder aus Migrantenfamilien", erläutert der Generalsekretär des Stifterverbandes, Andreas Schlüter.

So steigen in Deutschland seit Jahren die Studienanfängerzahlen - gleich, ob ein Bundesland Studiengebühren einhebt oder nicht. Erstmals seit mehr als 20 Jahren nimmt in unserem Nachbarland auch der Anteil von Studierenden mit einem schwierigen sozioökonomischen Hintergrund wieder zu, ebenfalls unabhängig davon, ob es in einem Bundesland Gebühren gibt oder nicht.

Tatsächlich ist es so, dass die Studiengebühren auch in Österreich - außer einer Bereinigung um Scheininskribienten - keinen Rückgang der Studierendenzahlen gebracht haben. Auch an der sozialen Zusammensetzung hat sich kaum etwas verändert. Bildungsferne Schichten waren vorher und nachher unterrepräsentiert.

Studie widerlegtGebühren-Kritiker

Laut Stifterverband gehört Hamburg zu den Siegern des Länderchecks. Dort konnten trotz Studiengebühren nicht nur besonders viele Studierende, sondern auch vermehrt Studenten aus benachteiligten Schichten an die Hochschulen gelockt werden. Schlusslichter bei der Studierendenentwicklung sind die gebührenfreien Länder Bremen und Rheinland-Pfalz sowie das Gebührenland Niedersachsen.

"Die Studie widerlegt viele Argumente von Gebührenkritikern", meinte Schlüter. Eine Abschaffung der Studiengebühren bedeute nicht, dass mehr Studierende aus allen sozialen Schichten an die Hochschulen kommen würden. Sozial benachteiligte Studierende würden am meisten von einer Erhöhung der Stipendien profitieren.

Ob Studiengebühren wirklich zu mehr Einnahmen und nicht zu späteren Einsparungen bei der öffentlichen Finanzierung führen oder ob das Versprechen eingehalten wird, fehlende Studiengebühren über mehr öffentliche Mittel auszugleichen, könne, so die Studie, erst langfristig beantwortet werden.

In Österreich läuft die Debatte über Studiengebühren und Uni-Zugangsregelungen derzeit ebenfalls wieder sehr intensiv. Der frühere SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal erklärt in einem gerade erschienenen Sammelband, der freie Hochschulzugang sei "nicht länger aufrechtzuerhalten". Er kritisiert sowohl seine Partei, die aufhören solle, das Unerreichbare zu fordern, um im Erreichbaren wieder zur fortschrittlichen Alternative zur ÖVP-Wissenschaftspolitik zu werden, als auch den von ÖVP-Ministern einberufenen Hochschuldialog, der "Spür-mich-fühl-mich-Seminaren der 1980er geglichen hat". Broukal schlägt stattdessen vor, zur Verbesserung der Lage der Unis eine Lehre pro Studienplatz zu bezahlen. Experten von Rechnungshof, Man solle Experten von Wifo und IHS eine Studienkostenrechnung entwickeln lassen.

Siehe auch:

Gastkommentar: Die Lage ist hoffnungslos, nicht ernst

Josef Broukal / Erwin Niederwieser (Hrsg.), Bildung in der Krise. Warum wir uns Nichtstun nicht leisten können, Kremayr & Scheriau, 192 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-218-00812-9




Schlagwörter

Sachbuch

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)




Autoren

 A B C D E F G H I J K L M N O 
 P R S T U V W Y Z

  Baberowski, Jörg
  Babtschenko, Arkadi
  Bachmann, Ingeborg
  Back-Vega, Peter
  Bahar, Alexander
  Bailey, Elisabeth Tova
  Baker, Nicholson
  Bakker, Gerbrand
  Balàka, Bettina
  Balci, Güner Yasemin
  Bandhauer, Dieter / Chobot, Manfred (Hrsg.)
  Bánk, Zsuzsa
  Bannalec, Jean-Luc
  Banville, John
  Barnes, Julian
  Bartman, Christophn
  Bartz / Koller / Bast
  Basil, Otto
  Bauer / Biwald / Dearing (Hrsg.)
  Bauer, Alfredo
  Bauer, Günther G.
  Bauer-Jelinek, Christine
  Baumgartner, Armin
  Bayer, Xaver
  Bayraktar, Seyhan
  Beck, Hanno / Prinz, Aloys
  Becker, Jürgen
  Becker, Zdenka
  Beevor, Antony
  Behr, Hans-Georg
  Bellin, Klaus
  Bendikowski, Tillmann
  Bengtsson, J.T.
  Bengtsson, Jonas T.
  Bennett, Alan
  Benyoëtz, Elazar
  Berg, Sibylle
  Berger / Wanders
  Berger, Clemens
  Berger, Heinrich (Hg.)
  Berger, Joe
  Berger, John
  Berggren, Henrik
  Bergmann, Michel
  Bergmann, Wolfgang
  Bernhard, Thomas
  Bernhard, Thomas / Unseld, Siegfried
  Bernold, Matthisa / Larriva Henaine, Sandra
  Berr, Hélène
  Berz, Gerhard
  Beuse, Stefan
  Beyer, Marcel
  Bezmozgis, David
  Bhaumik, Mani
  Bieber, Ernst
  Bielecki, Jerzy
  Bierbichler, Josef
  Binet, Laurent
  Bischof, Rita
  Blaffer Hrdy, Sarah
  Blair, Tony
  Blatter, Silvio
  Blau, Andre
  Blüchel / Sieger (Hg.)
  Bode, Thilo
  Boehning, Larissa
  Bogdanov, Igor und Grichka
  Bogendorfer / Deutsch / Graf u.a.
  Böhmer, Otto A.
  Bohrer, Karl Heinz
  Bolaño, Roberto
  Böldl, Klaus
  Bollmann, Ralph
  Bommert, Wilfried
  Bonanomi, Renée
  Bondy, Luc
  Bordt, Michael SJ (Hg.)
  Böttiger, Helmut
  Boulad, Henri
  Bove, Emmanuel
  Boyer, John W.
  Boyle, T. Coraghessan
  Bracht, Anke
  Braendle, Christoph
  Braml, Josef
  Brandes / Sundhaussen / Troebst (Hg.)
  Brandstetter, Alois
  Braun, Volker
  Braungart / McDonough (Hg.)
  Brauns, Dirk
  Breitenfellner, Kirstin
  Bremer, Jan Peter
  Brendel, Alfred
  Brennan, Maeve
  Brežná, Irena
  Britzen, Silke
  Brockmann, John (Hg.)
  Brockmann, Max (Hg.)
  Broder, Henryk M.
  Bronsky, Alina
  Broukal / Niederwieser (Hrsg.)
  Broukal, Josef / Filzmaier, Peter et al
  Brown, Archie
  Brückler, Theodor
  Bruckmüller, Ernst (Hg.)
  Brugger, Eveline et al.
  Brunngraber, Rudolf
  Buchebner, Walter
  Bundi, Markus
  Bünker, Michael / Karner, Peter
  Burg, Avraham
  Burnside, John
  Büscher, Wolfgang
  Bushnell, Candace
  Busqued, Carols
  Butcher, Tim
  Butterweck, Hellmut
  Butterwegge / Lösch / Ptak (Hg.)

Werbung




Werbung