
(wt) Alles schon da gewesen. Man könne "Globalisierung" im weiteren Sinn des Begriffs nicht länger als ein rein europäisches Projekt betrachten. Der Oxforder Historiker John Darwin stellt in seiner gelungenen Globalgeschichte fest, eine auf Europa zentrierte Weltsicht sei im historischen Kontext völlig unzutreffend. Die Rolle der Mächte Asiens war und ist weit wichtiger als bisher angenommen. Darwin widerlegt die Vorstellung, dass die Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert den Handel Asiens grundlegend verändert habe. Vielmehr waren die Europäer Nachzügler auf einem riesigen Seehandelsmarkt, auf dem die Asiaten Pionierarbeit geleistet hatten.
Der Autor beschreibt sehr gut das imperiale Streben der größten Mächte Eurasiens: China, das indische Mogul-Reich, das Osmanische und das Russische Reich sowie Japan. Dabei zeigt sich, dass die asiatischen Reiche erstaunlich stabil waren. Erst ab 1880 konnten die Europäer auch ihnen gegenüber eine wirtschaftliche und militärische Vormachtstellung erringen, die sie im Zuge der beiden Weltkriege schon wieder verloren. Auch wenn die USA heute global führend bleiben, findet Asien zunehmend wieder zu alter Stärke zurück. Ein Standardwerk.
John Darwin: Der imperiale Traum. Die Globalgeschichte großer Reiche 1400 - 2000. Campus Verlag, 544 Seiten, 49,90 Euro