(was.-) Der österreichische Autor Erich Feigl, spezialisiert auf historische Themen, hatte kurz vor seinem Tod 2007 sein letztes Buch über Aserbaidschan nahezu abgeschlossen. Kulturpublizist Adolf Opel ermöglichte die Publikation. Das Ergebnis ist ein auch technisch und ästhetisch aufwändig gestaltetes Buch, das der kulturhistorischen Bedeutung der heutigen Republik Aserbaidschan zweifellos angemessen ist. Viele Leser dürften sich dennoch überfordert fühlen, denn Feigl lieferte nicht nur ein Sachbuch, sondern eine Art politisches Manifest. Aus kunstvollen historischen, sprachwissenschaftlichen und geografischen Erläuterungen erschließt sich, dass das Volk der "Aseris" gewissermaßen die Wiege der menschlichen Kultur bilde. Militant grenzt er die Armenier aus: ein Volk von "Zuzüglern", das von nirgendwoher gekommen sei, sich aber expansionistisch und inhuman alles angeeignet habe, was rundum zu finden war. Auch von Genozid ist die Rede, aber nicht etwa dem während des ersten Weltkrieges an Hundettausenden Armeniern, sondern einem, das Armenier mit tätiger Mitwirkung der Sowjetunion in den Jahren ab 1988 an den "Aseris" von Karabagh verübt hätten. Dieser Pamphletstil überlagert leider das, was Feigls Buch auch bietet: den Blick in ein faszinierendes, für Europäer weitgehend unerschlossenes Land am Kaukasus.
Feigl, Erich: Seidenstraße durchs Feuerland. Die Geschichte Aserbaidschans. Adolf Opel (Hg.), Amalthea Signum Verlag, 176 Seiten, 22,95 Euro.