Es ist ein Eintauchen in die kulturelle Vielfalt und oft auch Widersprüchlichkeit dieser alten Hochkultur, wenn man den heutigen Iran anspricht. Zwei brisante Bücher über den Iran geben im Schatten der "arabischen Revolutionen" darüber genaue Auskunft. Wohin steuert der schiitisch-islamische Gottesstaat?
Der iranisch-deutsche Politologe Kamran Safiarian, Jahrgang 1969, meint: Die Grüne Bewegung im Iran im Zuge der Präsidentschaftswahlen von 2009, die vor allem aus einer stark entwickelten Zivilgesellschaft fußte, war der Auslöser für den "arabischen Frühling". Trotz aller Repression des Mullah-Regimes gegen die Grüne Bewegung und ihrer Repräsentanten bleibe abzuwarten, so Safiarian, welchen Ausgang die mit Händen zu greifende innenpolitische Zerrissenheit des Landes in der Ära des umstrittenen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad gerade vor dem Hintergrund des zunehmend eskalierenden Atomstreits mit der internationalen Gemeinschaft am Ende nehmen wird.
Zukunft liegt bei der Jugend
Treffend beschreibt Safiarian den Iran als Land der Extreme. Es herrsche eine Diktatur mit quasidemokratischen Elementen, ein traditionell geprägtes wie modern ausgerichtetes Land, in dem religiöse Hardliner und säkulare Pragmatiker um die Macht kämpfen. In Wahrheit herrsche eine religiöse Diktatur mit "demokratischem Anstrich".
Die 1962 in Teheran geborene und seit 1991 in Deutschland lebende Künstlerin Parastou Forouhar, deren Eltern und andere Vertreter der politischen iranischen Opposition 1998 offenbar auf Befehl des Regimes brutal ermordet wurden, erzählt in ihrem nahegehenden Buch von ihren zwiespältigen Erlebnissen anlässlich ihrer strapaziösen Iran-Reisen anlässlich des Todestages ihrer Eltern - von Schikanen und Überwachung, von einer iranischen Gesellschaft zwischen Resignation und Hoffnung - und von der Liebe zu ihrem Land. Die Zukunft liegt heute mehr denn je in den Händen der Jugend - um am Ende das Land doch Schritt um Schritt in Richtung Demokratie und Freiheit zu öffnen. Darin sind sich beide Autoren einig.