• vom 06.07.2009, 15:21 Uhr

Bücher-Verzeichnis

Update: 06.07.2009, 15:21 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Leserbrief



Spezifisch europäisch: Das Mittelalter

Fried, Johannes: Das Mittelalter


Von Helmut Kohlenberger
  • Johannes Frieds Streifzug durch eine unruhige Epoche.
  • Das finstere Mittelalter, von der Aufklärung vehement verdrängt, kehrte umgehend in der romantischen Sehnsucht zurück. Seit Marc Bloch und Le Goffs These vom "langen Mittelalter" hat es längst einen bevorzugten Platz in der frankophonen Geschichtsforschung, den es im deutschen Sprachraum erst in letzter Zeit erlangte. Im Mittelalter sieht Johannes Fried geradezu das Spezifische Europas. Die Abgrenzungen des Mittelalters von anderen Epochen werden durchlässig. Fried sieht Bruchlinien vor allem in den Pestpandemien im 6. und 14. Jahrhundert.

In einer lebendigen Erzählung, die nicht mit signifikanten Details spart und von reicher Bebilderung begleitet ist, führt Fried durch diese unruhigen Jahrhunderte mit ihrer latenten, zuweilen offenkundig apokalyptischen Dimension. Von Klöstern und Generationen übergreifenden Gebetsgemeinschaften führt der Weg über die neu entstehenden Städte und Handelsverbindungen in die Kolonisierung und die ganze Welt.

Europa ist eine einzige Bewegung über sich hinaus. Dies zeigt sich geographisch in den Wallfahrten, zum Beispiel am "Jakobsweg", in den Kreuzzügen und nicht zuletzt in den Expeditionen, die in den fernen Osten führten. Die Bindungen an Herkunft, Gewohnheitsrecht und alte sakrale Herrschaftsansprüche werden von der Kirche unterlaufen. Legitime Machtausübung wird an vertragliche Vereinbarung gebunden, Blutrache und Selbstjustiz lösen sich auf, das Recht wird kodifiziert.

Mit den Städten, dem Geldverkehr und den Universitäten entstehen länderübergreifende Verbindungsnetze. Dies vollzieht sich in einer epochalen Rationalisierung aller Lebensbereiche. Mit dem Aristoteles-Studium an den Universitäten werden Wissen, Ethik und Politik an rationale Verfahren gebunden. Die Grundlagen der modernen Staaten und der Neuzeit zeichnen sich ab.

Dem Leser wird das Geschehen an vielen biographischen Beispielen vor Augen geführt. So hat Peter Abälard in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts damalige Grenzen des Denkbaren und der Lebensform geöffnet. Auf die von Karl IV. im 14. Jahrhundert intendierte Nachfolge Karls des Großen lassen sich Strukturen des modernen Territorialstaates zurückverfolgen.

Die ganze Breite der Kultur wird auf dem Niveau der Forschung vieler Disziplinen in ihrer inspirierenden Interdependenz vorgeführt. Dem Leser aber werden weiterführende Fragen zugemutet.

Johannes Fried: Das Mittelalter. Geschichte und Kultur. C. H. Beck, Verlag 606 Seiten, 30,80 Euro.




Autoren

 A B C D E F G H I J K L M N O 
 P R S T U V W Y Z

  Fabel, Renate
  Falco
  Farah, Nuruddin
  Fargues, Nicolas
  Faschinger, Lilian
  Fatah, Sherko
  Faust, Anke
  Federmair, Leopold
  Fehringer, Andrea / Köpf, Thomas
  Feichtinger, Dengg (Hg.)
  Feichtinger, Wilfried / Stanzl, Eva
  Feigl, Erich
  Feingold, Marko M.
  Felber, Christian
  Felber, Ulrike (Hg.)
  Fellner, Sabine / Unterreiner, Katrin
  Fenzl, Thomas
  Fergusson, Adam
  Ferk, Janko
  Ferris, Joshua
  Fiala / Gepp
  Fian, Antonio
  Filhol, Elisabeth
  Filkins, Dexter
  Findeis, Patrick
  Findeisen, Jörg Peter
  Fischer, Erica
  Fischer, Joschka
  Fischer, Joschka und Stern,Fritz
  Fisman / Miguel
  Fitzroy, Charles
  Flaar, Milena Michiko
  Flasar, Milena Michiko
  Flasch, Kurt
  Flassbeck, Heiner
  Fleischanderl, Karin
  Flierl, Thomas / Müller, Elfriede
  Flores, Alexander
  Florescu, Catalin Dorian
  Follath, Erich
  Foppa, Klaus
  Ford, Richard
  Forgione, Francesco
  Forouhar, Parastou
  Franzen, Jonathan
  Franzobel
  Frayn, Michael
  Freitag, Ulrike (Hrsg.)
  French, Nicci
  Freund, Eugen
  Freund, René
  Frey / Wirthensohn (Hrsg.)
  Fricke, Hans
  Fried, Catherine
  Fried, Johannes
  Friedl, Inge
  Friedman, George
  Frings, Matthias
  Frisch, Max
  Frischmuth, Barbara
  Fritz, Wolfgang
  Frizen, Werner
  Fröhlich et al.
  Fröhlich, Anna Katharina
  Frommhund, Christina
  Fürweger, Wolfgang
  Fust, Sebastian

Werbung




Werbung