
(lies) Wer in früheren Zeiten am Land lebte, wenig Geld hatte oder einfach nur ein bisschen abgelegen wohnte, war oftmals auf heilende Hände ohne Doktortitel angewiesen. Wohin mit einem schmerzenden Zahn, wenn der Zahnarzt unerreichbar ordiniert und es für Geburten, Krankheiten oder Sterben kein Krankenhaus im Umkreis gibt? Ein offener Fuß, eine gebrochene Hand, die gefürchteten "Fraisen" - für die großen und kleinen Wehwehchen waren Zahnreißer, Landhebammen, Salbensieder und Knocheneinrichter oft die letzte und einzige Rettung. Inge Friedl hat die letzten "Bauerndoktoren" Österreichs aufgesucht und sie nach ihren Erinnerungen und Erfahrungen befragt. Die Zeiten waren hart, die Menschen, die in ihrem neuen Buch zu Wort kommen, berichten von Entbehrungen, Schmerzen und Armut der bäuerlichen Welt, aber auch von Nachbarschaftshilfe und heilsamer Zuwendung. Zahlreiche Rezepturen und Heilkräuterwissen runden die Lektüre ab.
Inge Friedl: Heilwissen in alter Zeit. Bäuerliche Heiltradition. Verlag Böhlau, 19,90 Euro, 203 Seiten.