Eine Geschichte, die absurder und tragischer kaum sein könnte: Es ist Spätherbst 1989, der große Exodus, der die Mauer zum Fallen bringt, hat längst eingesetzt. Da geht einer, wie Thomas Bernhard sagen würde, in die entgegengesetzte Richtung: nämlich der homosexuelle Schriftsteller Ronald M. Schernikau, der im Alter von 20 Jahren bereits mit seiner "Kleinstadtnovelle" (1980) für Aufsehen sorgte.
Der überzeugte Kommunist verließ am 1. September 1989 West-Berlin, um Bürger der DDR zu werden. Im März 1990 hielt er auf einem Kongress des DDR-Schriftstellerverbands eine vielbeachtete Rede, in der er die Entwicklung in der DDR nach Öffnung der Grenzen als Konterrevolution bezeichnete. Als gern vorgeführter Exot hielt er in Talkshows seinen druckfrischen DDR-Pass in die Kameras. Doch schon im Oktober 1991 starb Schernikau an Aids.
Matthias Frings hat dem absonderlichen Leben und faszinierenden Werk seines Freundes eine gelungene Biografie gewidmet, die dazu einlädt, ein beachtenswertes Literaturtalent kennen zu lernen.
Matthias Frings: Der letzte Kommunist. Biografie. Aufbau-Verlag, Berlin 2009, 488 Seiten, 19,95 Euro.