Nach ihrem Orient-Roman "Vergiss Ägypten" ist von Barbara Frischmuth nun ein Essayband zum Thema "Orient und Islam" in der Essay-Reihe des Literaturverlages Droschl erschienen. Der Wert des Fremden, so Frischmuth, werde in unserer Gesellschaft mitunter idealisiert, aber meistens unterschätzt.
In dieser Fehleinschätzung liegt die furchtsame Ablehnung begründet, die "dem Fremden" und somit "den Fremden" oft entgegengebracht wird. Damit unterschiedliche Kulturen einander vorbehaltlos begegnen können, bedarf es eines reflektierten Selbstverständnisses, weshalb sich die Orient-Kennerin Frischmuth in ihren Essays (die zwischen 1996 und 2007 entstanden sind), in etlichen Passagen auch mit dem Selbstbild der Europäer und deren Werten befasst.
Barbara Frischmuth schreibt unaufgeregt und kompetent gegen Vorurteile an, indem sie vor allem von ihren persönlichen Begegnungen, u.a. mit Neo-Musliminnen erzählt. Dabei zeigt sich, dass das Kopftuch nicht unbedingt das Denken einengt, wie in unserer Kultur gern behauptet wird. Frischmuth lässt die jungen Frauen zu Wort kommen, akzeptiert deren politische und religiöse Haltung, ohne in ihren eigenen Kommentaren die kritische Position zu bestimmten Themenbereichen aufzugeben und ohne einen Hehl aus ihrer Ablehnung gegenüber fanatischen Eiferern zu machen. Das ergibt einen sehr entspannten Dialog, wie man ihn sich gerade bei diesem Themenbereich in der öffentlichen Diskussion wünschen würde:
"So leben Fatima und Aysel entlang ihrer Argumentationslinie und ich entlang der meinen. Die Frage ist nur, ob uns je einer dazu bringen könnte, uns deshalb in die Haare zu geraten. Ich glaube, das würde nur dann passieren, wenn wir anfingen uns gegenseitig missionieren zu wollen."
Barbara Frischmuth tut das jedenfalls in keiner Zeile dieses interessanten und aufschlussreichen Essaybandes.
Barbara Frischmuth: Vom Fremdeln und vom Eigentümeln. Essays, Reden und Aufsätze über das Erscheinungsbild des Orients. Literaturverlag Droschl, Graz 2008, 152 Seiten, 15,- Euro.