
(rm) Hedwig und Hans Schneider wurden am Abend des 2. Dezember 1942 innerhalb von wenigen Minuten im Wiener Landesgericht enthauptet. Der NS-Volksgerichtshof hatte ihnen Vorbereitung zum Hochverrat vorgeworfen. Ihr Vergehen: Sie hatten - eine gar nicht funktionierende - Abziehmaschine in ihrem Haus in einer Schrebergartensiedlung in der Leopoldau versteckt. Bei der Verfolgung einer kommunistischen Gruppe war auch das Ehepaar Schneider am 8. Dezember 1941 in die Fänge der NS-Justiz geraten. Hedwigs Schwester Cilli Planinger hat dem Historiker Wolfgang Fritz 1988 Briefe der beiden NS-Opfer aus dem Gefängnis übergeben und ihre Erinnerungen diktiert. Erst seit wenigen Jahren sind auch die Volksgerichtsakten zugänglich. Die "Chronik zweier Hinrichtungen", wie Autor Wolfgang Fritz sein Buch im Untertitel nennt, ist ein erschütterndes Zeitdokument. Fritz lässt die erhaltenen Schriftstücke weitgehend für sich sprechen.
In ihren Briefen an die Angehörigen sorgen sich die NS-Häftlinge umeinander und das kleine bisschen Eigentum, das sie sich in ihrem Schrebergarten erarbeiten hatten können. Alle Gnadenappelle bleiben erfolglos. Hedwigs Schwestern verschwiegen den Eltern lange die Hinrichtung. Zuerst erfuhr der Vater davon, später am Heiligen Abend 1944 erahnte auch die Mutter Hedwig Schneiders die Wahrheit - und starb noch am gleichen Tag.
Wolfgang Fritz: Die Geschichte von Hans und Hedi - Chronik zweier Hinrichtungen. Milena Verlag, 139 Seiten, 17,90 Euro.