"Außenpolitische Perspektiven" nennt Heinz Gärtner, Politologe am Österreichischen Institut für Internationale Politik, sein Buch über den künftigen US-Präsidenten Barack Obama im Untertitel nüchtern. Natürlich begrüßt Gärtner die Wahl Obamas politisch, doch hütet er sich, dessen Licht in lichte Sphären zu heben. Vielmehr handelt es sich bei "Weltmacht was nun?" um eine trockene, aber fachkundige Analyse des tatsächlichen Handlungsspielraums der neuen US-Administration. Für Gärtner, der für dieses Buch einen Forschungsaufenthalt in den USA absolvierte, wird Obama in folgenden Bereichen neue Wege beschreiten:
- Statt den islamischen Terror militärisch zu bekämpfen, wird Obama auf politische Mittel setzen; das Hauptaugenmerk wird dabei auf Pakistan und Afghanistan liegen, das US-Engagement im Irak zurückgefahren werden. Dies impliziert auch Verhandlungen mit erklärten Feinden wie Iran, Hamas oder Syrien.
- In den internationalen Beziehungen wird Obama anders als Bush vor allem multilateral, also unter Einbindung von Verbündeten und internationalen Organisationen handeln, um Lösungen für globale oder regionale Probleme wie Umweltschutz, Klimapolitik, Rüstungskontrolle oder die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen zu erarbeiten.
Vor überzogenen Erwartungen warnt Gärtner jedoch: Die größte Macht der Welt werde niemals auf ihre politische wie militärische Führungsrolle verzichten - und notfalls zum Schutz eigener Interessen auch entsprechend handeln.
Heinz Gärtner: Obama - Weltmacht was nun? LIT Verlag, 212 Seiten, 20,50 Euro.