"Diese Gedichte wurzeln in feiner Aufmerksamkeit im Alltäglichen wie in skeptischer Neugier", heißt es in Uwe Kolbes informativem Nachwort über die "Freuden beim Lesen der Gedichte von Georgi Gospodinov".
Der 1968 geborene bulgarische Lyriker und Romancier trägt nicht dick auf, sondern dicht. "Seine Muse ist dezent, sie reduziert" (sagt Kolbe), und der Dichter, ihr folgend, "tritt zurück und gibt dem Leser den Blick frei darauf, was er selbst gesehen oder für ihn arrangiert hat". Man sieht zum Beispiel kurze Welt-Anschauungen wie die: "Fenster / Eine Biene krabbelt / über den ganzen Himmel", oder jene: "Liebe / Nacht für Nacht / von der Frau träumen / neben der man liegt", und man erkennt: hier gibt uns ein poetisches Talent zu denken und zu fühlen - "Über den Schotter der Erde", "Das dritte Geschlecht", "Die Kunst des Nachmittags" oder "Die Krähen von Wien".
Georgi Gospodinov: Kleines morgendliches Verbrechen. Gedichte. Übersetzt v. V. Jäger, U. Kolbe und A. Sitzmann. Droschl 2010, 120 Seiten, 18 Euro.