• vom 13.01.2009, 13:40 Uhr

Bücher-Verzeichnis

Update: 13.01.2009, 13:44 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Leserbrief



Rosen für Lisl Gehrer

Haider, Hans: Elisabeth Gehrer. Reportage eines politischen Lebens


Von Kurt Scholz
  • Eine geradlinige Politikerin, der auch ihre vielen Gegner Respekt zollten.
  • Haider liefert eine Innenansicht der heimischen Kultur- und Bildungspolitik.
  • Sieht man von Kaiserin Maria Theresia ab, ist Elisabeth Gehrer die längstdienende Politikerin Österreichs. Ihr politisches Leben dauerte immerhin fast drei Jahrzehnte: 1980 stieg sie in Bregenz als Stadträtin in die Politik ein, ab 1990 war sie Landtagsabgeordnete und später auch Mitglied der Vorarlberger Landesregierung, und mit ihrer Ministerschaft von 1995 bis 2007 übertraf sie zeitlich sogar die des bisherigen Rekordhalters Fred Sinowatz.

Längstdienende Ministerin: Elisabeth Gehrer. Foto: apa

Längstdienende Ministerin: Elisabeth Gehrer. Foto: apa Längstdienende Ministerin: Elisabeth Gehrer. Foto: apa

Das weltanschauliche Fundament von Gehrers Wirken war in all diesen Funktionen klar: Es bestand aus einer von Arbeit, Glauben und Familie geprägten Lebensauffassung. Erzogen im reformkatholischen Umfeld der Neulandschule wird Elisabeth Gehrer Lehrerin im äußersten Westen Österreichs, ist aktives Leitungsmitglied der Pfadfinderbewegung und engagiert sich in der katholischen Frauenbewegung. Damit ist ihr Weg in das politische Lager der ÖVP vorgezeichnet, auch wenn dabei einige Hindernisse zu beseitigen waren: Gehrer galt in Vorarlberg lange als "Tirolerin" und, schwerwiegender noch, als eine starke Persönlichkeit mit eigenständigen Ansichten. Mit der ihr eigenen Konsequenz schaffte sie es, ihre politischen Funktionen stets mit der Sorge um die Familie und ihre drei Söhne zu vereinen - eine Eigenschaft, die selbst hartnäckigen politischen Gegnern Respekt abnötigte. Und von Gegnerinnen und Gegnern sollte Elisabeth Gehrer ja bis zum Ende ihres öffentlichen Wirkens wahrlich genug haben.

Scharfzüngiges und Süffisantes

Hans Haider, einer der profiliertesten Kulturjournalisten des Landes, zeichnet den privaten und politischen Lebensweg von Elisabeth Gehrer detail- und kenntnisreich nach. Aus seiner Darstellung spricht eine Grundsympathie für seine Hauptperson ebenso wie die innige Vertrautheit mit den Eigenheiten der Bildungs-, Kultur- und Wissenschaftspolitik unseres Landes. So gelingt ihm - zusammen mit dem Rückgriff auf private Informationen Gehrers - ein lebendiges Porträt, in dem die menschlich ansprechenden Züge seiner Hauptperson dominieren: Geradlinigkeit, Familienverbundenheit und menschliche Treue, vor allem zu ihrem Mentor Wolfgang Schüssel.

Hans Haider wäre aber nicht der kritische Geist, würde er seine Biographie nicht mit scharfzüngigen Bemerkungen zu jenem politischen Umfeld würzen, das Elisabeth Gehrer vor allem in der Bundespolitik antrifft. Im Nachzeichnen des Hü und Hott von Schul- und Universitätsreformen wird Haiders Buch ein Stück Zeitgeschichte, garniert mit Seitenhieben auf die Wiener Kultur-, Bildungs-, Wissenschafts- und Gewerkschaftsszene und mancher süffisanten Kurzbeschreibung der handelnden Personen.

Es liegt in der Natur dieser Beschreibung - und wohl auch im Temperament des Autors -, dass dabei die Grenze zwischen der Biographie der Hauptperson und den Randglossen des Publizisten Hans Haider fließend verläuft. Wen eine Innenansicht der österreichischen Kultur- und Bildungspolitik interessiert, den wird die Lektüre von Hans Haiders Buch nicht enttäuschen.

Ein lesenswertes Zeitdokument

Wie immer man die Generallinie der Bildungspolitik der letzten eineinhalb Jahrzehnte beurteilt, handelt es sich bei Elisabeth Gehrer um eine der für das Bildungs- und Universitätswesen und die Museumspolitik prägenden Persönlichkeiten der Zweiten Republik. Hans Haider hat ihr Leben mit Sorgfalt und Sympathie beschrieben. Manche in dem Buch Kritisierten werden ihre Kurzcharakteristik als unangebracht empfinden, andere werden darin einen Wahrheitsbeweis für eigene Erlebnisse und Ansichten finden. Dass Haider nicht zurückschreckt, die Höhen und Tiefen, die idealistischen Ansätze ebenso wie die gelegentliche Niedertracht der Politik dieses Landes zu kommentieren, macht seine Biographie zu einem Stück miterlebter Geschichte.

Hans Haider hat Elisabeth Gehrer eine sympathische Lebensdarstellung gewidmet und sich selbst eine Plattform für eine Fülle kulturkritischer Anmerkungen geschaffen. Sein Buch ist als Zeitdokument lesenswert.

Hans Haider: Elisabeth Gehrer. Reportage eines politischen Lebens. Edition Steinbauer 175 Seiten, 22,50 Euro.




Schlagwörter

Sachbuch


Autoren

 A B C D E F G H I J K L M N O 
 P R S T U V W Y Z

  Haas, Wolf
  Habringer, Rudolf
  Habsburg, Eduard
  Hacker, Katharina
  Hackl, Erich
  Hackl, Karlheinz
  Hädecke, Wolfgang
  Haderlap, Maja
  Hafez, Kai
  Haffer, Dominik
  Hahn, Anna Katharina
  Hahn, Ulla
  Haider, Hans
  Haidinger, Martin / Steinbach, Günther
  Haigh, Jennifer
  Hakel, Hermann
  Haller, Reinhard
  Halpern, Sue
  Halter, Ernst
  Hamilton, Hugo
  Hamilton-Paterson, James
  Hammerl, Elfriede
  Hämmerle, Kathrin / Plaikner, Peter (Hg.)
  Hammerstein, Lukas
  Handke, Peter
  Handl, Haimo L. (Hrsg.)
  Händler, Ernst Wilhelm
  Händler, Ernst-Wilhelm
  Hanika, Iris
  Hanisch, Ernst
  Hannich, Günter
  Hansel / Rohrwasser (Hg.)
  Harlan, Thomas
  Hartl, Thomas
  Hartmann, Lukas
  Hartung, Harald
  Haslauer, Wilfried
  Haslinger, Ingrid
  Haslinger, Josef
  Hasmann / Sachslehner (Hg.)
  Hasmann, Gabriele
  Hasmann, Gabriele / Hepp, Ursula
  Hatt, Hanns / Dee, Regine
  Haubenberger / Martischnig (Hg.)
  Hausemer, Georges
  Havryliv, Tymofiy
  Hawthorne, Nathaniel
  Hebel, Johann Peter
  Heckel, Margaret
  Heidenreich, Elke und Schroeder, Bernd
  Heijmans, Toine
  Hein, Christoph
  Heinberg, Richard
  Heisig, Kirsten
  Helfer, Monika
  Helgason, Hallgrimur
  Hemmleb, Jochen
  Hengstschläger, Markus
  Henisch, Peter
  Henkel, Hans-Olaf
  Hennefeld, Thomas / Karner, Peter (Hg.)
  Hens, Gregor
  Herbert, Kari
  Hermann, Judith
  Hermann, Ulrike
  Hermann, Wolfgang
  Herrndorf, Wolfgang
  Hertenberger, Gerhard
  Herz-Kestranek, Miguel
  Hessel, Stéphane
  Hettche, Thomas
  Hewson, Elisabeth / Farmwell, Doc
  Hilbig, Wolfgang
  Hilmes, Oliver
  Hinterschweiger, Hubert
  Hirn, Wolfgang
  Hirschenberger, Alfred
  Hisch, Johann / Domany, Karin (Hg.)
  Hitze, Bruno und Lewinsky (Hg.), Ch. Lewinsky
  Höbelt, Lothar
  Hocheneder, Franz
  Hochgatterer, Paulus
  Hofbauer, Peter
  Hofert, Svenja / Visbal, Thorsten
  Höfler, Horst (Hg.)
  Hofmann, Gunter
  Hofmann, Klaus
  Holl, Adolf
  Holland, Tom
  Holler, Albert
  Holzapfel, Felix und Klaus
  Holzer, Stefanie
  Holzner, Johann / Hoiß, Barbara (Hg.)
  Höner, Peter
  Hope, Daniel
  Hoppe, Felicitas
  Horaczek, Nina / Reiterer, Claudia
  Hörhan, Gerald
  Hörl, Michael
  Hornby, Nick
  Horst, Dietmar
  Horváth, Martin
  Horvath, Peter
  Horx, Matthias
  Horx-Strathern, Oona
  Hose, Martin / Levin, Christoph (Hrsg.)
  Hosfeld, Rolf
  Hotschnig, Alois
  Houellebecq, Michel
  Hucke, Johannes / Müller, Daniel
  Hugo, Victor
  Huonder, Silvio
  Hustvedt, Siri
  Hvorecky, Michal
  Hyland, M.J.

Werbung




Werbung