In dem opulenten, montageartig komponierten Werk "Jahrhundertschnee" des Schweizer Schriftstellers Ernst Halter spiegelt sich das letzte Jahrhundert wider: in eindrucksvollen Landschaftsbildern, Alltagsbeobachtungen und politischen Ereignissen, fiktiven Gesprächen (wie etwa zwischen Canetti und Brecht 1932, oder Rathenau und Ludendorff 1917), in Auszügen aus Erinnerungsbüchern, Gedichten und in den Lebensläufen zahlreicher Protagonisten. Wobei die Schicksale der Charaktere, die aus allen Bevölkerungsschichten im deutschsprachigen Raum stammen, in erster Linie dazu dienen, Stimmungen und Bilder der Zeit zu illustrieren. Die über 70 kurzen Kapitel folgen unvermittelt aufeinander, ein paar Erzählstränge halten das Buch zusammen.
Ernst Halter: Jahrhundertschnee. Versuch einer Revision. Ammann, Zürich 2009, 440 Seiten, 23,60 Euro.