Obwohl James Hamilton-Paterson schon seit Jahrzehnten hauptsächlich in Italien (in der Toskana) und auf den Philippinen lebt (und dazwischen mitunter auch in Österreich), ist er ein unverkennbarer Brite geblieben. Nun hat er nach zwei Romanen rund um den kauzigen englischen Sportler- und Starlet-Ghostwriter Gerald Samper - "Kochen mit Fernet Branca" (2005) und "Einarmsegeln mit Millie" (2007) - noch einen dritten nachgeschoben, der es hinsichtlich turbulenter Handlung, absurder Vorfälle und sarkastischen Humors durchaus mit den Vorgängerbänden aufnehmen kann.
In "Heilige der Trümmer" ist Sampers pittoreskes Domizil in der Toskana einem Erdrutsch zum Opfer gefallen, wobei er sich selbst noch rechtzeitig aus dem abstürzenden Haus retten konnte. Angeblich, so behaupten sich rasch verbreitende Gerüchte, sei ihm knapp davor ein Geistwesen in Gestalt von Prinzessin Diana erschienen und habe ihn gewarnt.
Dem war zwar nicht so, aber Samper widerlegt die Gerüchte zumindest nicht - und hilft damit einem Diana-Kult auf die Sprünge, der sich in aberwitziger Geschwindigkeit am Ort des Geschehens entwickelt. Samper nutzt die Gunst der Stunde, indem er ein Libretto zu einer Diana-Oper verfasst, wozu seine einstmalige Nachbarin Marta, eine osteuropäische Komponistin - den Lesern aus dem hinreißenden Roman "Kochen mit Fernet Branca" noch in bester Erinnerung - die Musik schreibt.
Das ist auch schon das Grundgerüst der Handlung, die aber - nicht zuletzt aufgrund Sampers Hang zu bizarren Vorlieben und abgründigen Spleens - reich an abstrusen Szenen, slapstickhaften Geschehnissen und versnobten Kommentaren ist. Das Personal sowohl des "Fernet"- als auch des "Millie"-Romans taucht großteils wieder auf (was für Neueinsteiger nicht leicht, aber doch nachvollziehbar ist), und auch die unorthodox-schrillen Rezepte, für welche der schwule Junggeselle berüchtigt ist, werden in "Heilige der Trümmer" mit aller abgeschmackter Perfidie aufgetragen.
Diesmal braucht man schon einen extrem guten Magen, um etwa die Schilderung eines Abendmahls, das für einen der Teilnehmer zu seinem letzten wird, zu verdauen. Samper serviert ein Feldmaus-Carpaccio, das allerdings Spuren eines Rattengifts enthält, was zu einer schlimmen Übergebungsorgie führt, die Samper - der großteils wieder selbst erzählt (nur unterbrochen durch Mails seines aktuellen Liebhabers, eines Meeresbiologen) - in unappetitlich detailreicher Weise schildert. Und so passiert ständig Unvorhersehbares, bis es schließlich zur Uraufführung der Diana-Oper kommt - und Samper, als Komparse auf der Bühne, nach einem plötzlichen Aufruhr in den Orchestergraben stürzt.