Sein letztes Buch ist eine hochpoetische Mischung aus Anklageschrift und Liebeserklärung an seinen Vater: Kurz nachdem Thomas Harlan die Arbeit an "Veit" beendet hatte, starb er. Sein Leben lang hatte der Autor und Regisseur sich an der Schuld von Veit Harlan, dem Regisseur des nationalsozialistischen Propagandafilms "Jud Süß", und der Milde, die Nachkriegsdeutschland Männern wie seinem Vater entgegenbrachte, abgearbeitet.
"Veit" liest sich wie ein Bewusstseinsstrom, dem sich der Sohn hingibt, Erinnerungen an das Leben mit und parallel zu dem überzeugten Nationalsozialisten, der sein Vater war, den er als Mensch verzweifelt liebte und der doch "mordbeladen glücklich" behauptete, "dass Dein Erzfeind, der Minister für Volksaufklärung und Propaganda, Dich gezwungen hat, Dein Verbrechen zu begehen".
"Veit" ist eine radikale Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben im Spiegel des Vaters. Faszinierend und erschütternd.
Thomas Harlan: Veit. Rowohlt Verlag, Reinbek 2011, 156 Seiten, 18,50 Euro.