Der britische Kapitän James Cook ist einer der legendären Reisenden der Menschheit. Seine Weltumsegelungen geben auch noch im Zeitalter der Raumfahrt den Maßstab für den Aufbruch ins Unbekannte. Zu den vielen Büchern über den berühmten Briten, der am 14. Februar 1779 auf Hawaii getötet wurde, kommt nun ein weiteres: der Roman "Bis ans Ende der Meere" des Schweizers Lukas Hartmann.
Hartmann erzählt die Geschichte der letzten Reise des Kapitäns aus der Perspektive des Malers John Webber, einer historisch verbürgten Figur. Webber hatte Cook auf dessen dritter und letzten Weltumsegelung begleitet, gelangte nach der Heimkehr dank seiner dokumentarischen Blätter für kurze Zeit in London zu Ruhm, starb jedoch schon im Alter von knapp vierzig Jahren, vermutlich an den Spätfolgen einer Krankheit.
Die Handlung des Romans setzt mit der Rückkehr Webbers nach London ein, mit einem Besuch bei Cooks Witwe. In Rückblenden, Briefen und Tagebuchaufzeichnungen wird die Reise an der Seite des berühmten Mannes geschildert. Da die Arbeit eines Marinemalers mit der eines Pressefotografen zu vergleichen ist, ergibt sich aus den Erinnerungen und den Aufzeichnungen Webbers ein plastisches Bild des Lebens auf dem Schiff und in den entdeckten Gebieten. Philosophische Debatten in der Offiziersmesse gehören ebenso dazu wie die Rituale eines Menschenopfers in der Südsee; die schweren Stürme vor Kap Hoorn ebenso wie sexuelle Ausschweifungen in tropischen Wäldern. "In zwei Reihen bewegten sie sich aufeinander zu und voneinander weg, der Fackelschein lief über ihre Muskeln, zeichnete Schatten und Licht im ständigen Wechsel. Es war ein Hin- und Herwogen von Leibern; Schweißgeruch, vermengt mit Blüten- und Gewürzkrautduft, hing über ihnen und trieb zu den Zuschauern hin."
Lukas Hartmann, der sich als Lehrer, Journalist, Coach und vor allem als Autor von Kinderbüchern einen Namen gemacht hat, schafft es, aus diesem Stoff ein gleichermaßen spannendes wie nachdenkliches Buch zu machen, in dem die Entdeckungsreisenden weder verherrlicht noch verteufelt werden, sondern vor allem die Begegnung mit fremden, unverständlichen Kulturen im Vordergrund steht. Und die Unruhe, in die diese Begegnung den Europäer Webber versetzt.
Lukas Hartmann: Bis ans Ende der Meere. Die Reise des Malers John Webber mit Captain Cook. Roman. Diogenes Verlag, Zürich 2009, 488 Seiten, 22,60 Euro.