
(lies) Ein ganze wahnsinnige Woche lang war er am "Nackten Berg". Die Zeit vom 27. Juni bis zum 3. Juli 1970 hat sich in Reinhold Messners Leben eingebrannt, wie eine hässliche Narbe. Mit erfrorenen Zehen und ohne seinen 23-jährigen Bruder Günther ist er vom Gipfeltriumph am Nanga Parbat ins Leben zurückgekehrt. Was auf das tragische Ende dieser Höllen-Expedition folgte, hat nichts mit respektvoller Trauerarbeit und Dankbarkeit über das eigene Überleben zu tun. Verdacht, Verrat und Falschinformation stiften Verwirrung - bis heute. Der ältere Messner, der Medienstar, der Einzelgängertyp, hat sich seine Wahrheit von der Seele geredet, geschrieben und - zig-Mal abgeändert! Was lag da näher, als den vagen Geschichten rund um Leichtsinn, Egoismus und Gipfelgier unters Feigenblatt zu schauen und nach Fakten zu suchen? Auch Jochen Hemmleb ist es in seinem Buch nicht gelungen, die Wahrheit zu ergründen. Er hat die Ereignisse, gepflastert mit Rufmord, Rechtsstreit und Rache, krimigleich aufgerollt, Tagebuchaufzeichnungen gesichtet und mit Zeitzeugen gesprochen. 2004 trieb ihn seine Neugierde ins "Diamirtal", um nach Günther zu suchen. Gefunden wurden seine Knochen und ein Schuh ein Jahr später von drei Pakistani. Warum eigentlich nicht von seinem eigenen Bruder?
Jochen Hemmleb: Nanga Parbat. Das Drama 1970 und die Kontroverse. Tyrolia Verlag, 232 Seiten, 24,95 Euro.