• vom 15.03.2010, 16:07 Uhr

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Update: 15.03.2010, 16:08 Uhr
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Der Vorstoß der Sowjets ins All

Hertenberger, Gerhard: Aufbruch in den Weltraum


Von Peter Bochskanl
  • Schlaglichter auf Pannen und Erfolge.
  • Archive geben Geheimnisse preis.
  • Während sich im Vorjahr das öffentliche Interesse auf den 40. Jahrestag der ersten Mondlandung konzentrierte, fristeten die Leistungen der Sowjetunion bei der Eroberung des Weltalls ein Schattendasein. Nun hat der Wiener Wissenschaftsjournalist Gerhard Hertenberger mit seinem Buch den Versuch unternommen, diese Lücke zu schließen. Nicht so sehr entlang eines roten Fadens, sondern in sehr lebendig geschilderten Schlaglichtern breitet er die Geschichte der sowjetischen Raumfahrt vor dem Leser aus, wobei er sich die erst kürzlich zugänglichen ehemals sowjetischen Archive zunutze macht.

Der zweite russische Sputnik vom Herbst 1957, in dem der Hund Laika mitflog. Foto: epa

Der zweite russische Sputnik vom Herbst 1957, in dem der Hund Laika mitflog. Foto: epa Der zweite russische Sputnik vom Herbst 1957, in dem der Hund Laika mitflog. Foto: epa

Die russische Weltraumforschung reicht bis ins Jahr 1911 zurück. Damals bereits skizzierte der Wissenschafter Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski eine Rakete mit einer Kapsel für zwei Kosmonauten an der Spitze. 1924 beschrieb er eine mehrstufige Rakete und ein Raumschiff, aus dem Kosmonauten mit einem Raumanzug durch eine Schleuse ins All aussteigen. Es sollte noch 37 Jahre dauern, ehe Juri Gagarin am 12. April 1961 den ersten Allflug eines Menschen absolvierte, der eine Stunde und 48 Minuten dauerte. Erst 1978 wird bekannt, dass er nicht in seiner Kapsel gelandet, sondern in 8000 m Höhe mit dem Schleudersitz ausgestiegen und alleine mit dem Fallschirm gelandet ist.

Hertenberger berichtet über die Erfolge und die Pannen der sowjetischen Raumfahrt, vor allem über jene Vorfälle, die lange Zeit geheim gehalten wurden, während sich die Katastrophen der US-Raumfahrt vor den Augen der Öffentlichkeit abspielten. So kamen jene Kosmonauten noch mit dem Leben davon, als sie zwei Nächte in sibirischer Kälte ausharren mussten, weil ihre Kapsel weitab vom geplanten Zielort heruntergekommen war. Bis heute ist nicht klar, wie viele Todesopfer die sowjetische Raumfahrt gekostet hat. Hertenberger schildert den Fall von Raumfahrern, die bei der Landung erstickt sind, weil das Belüftungsventil versagt hatte.

Der Leser erfährt auch, wie bedrohlich die Sowjetunion in ihrer letzten Phase im Weltraum aufgerüstet hatte: von den Spionagesatelliten Almaz, die ihre Teleskope nicht ins All, sondern auf die Erde gerichtet hatten und bewaffnet waren; vom Raumfahrtprojekt Polyus, Weltraumkampfstationen, die als Antwort auf Reagan "Krieg der Sterne" geplant, aber von Gorbatschow dann gestoppt worden waren.

Kosmisch und komisch

Das Buch ist nicht nur spannend, sondern zum Teil auch recht unterhaltsam. So die Schilderung, wie eine streunende Hündin als kosmonautische Testpilotin Weltruhm erlangte. Oder wie der deutsche Kosmonaut der MIR-Mission, Reinhold Ewald, in seinem Vorwort einen Operateur im Kontrollzentrum nahe Moskaus zitiert: "Unsere Aufgabe ist kosmisch, unser Gehalt komisch!"

Gerhard Hertenberger: Aufbruch in den Weltraum. Seifert Verlag Wien, 200 Seiten, 19,90 Euro.




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