
(pb) Der Jahrhunderte lange Mischprozess unterschiedlichster Ethnien hat das Unikum des Wieners hervorgebracht, ein facettenreiches Wesen mit so ausgeprägten Merkmalen, dass sie ihn für den oberflächlichen Beobachter in öden Klischees erstarren lassen. Mit ihnen räumt Peter Hofbauer gründlich auf. Der frühere Unterhaltungschef des ORF und langjährige Leiter des "Wiener Metropol" hat eine akribisch recherchierte, humorvolle Analyse abgeliefert, die dem Untertitel des Buches ("Ein Schlüssel zur Wiener Seele") mehr als gerecht wird. Liebevoll, aber dennoch kritisch seziert er den Charakter des Wieners und belegt seine Erkenntnisse mit einer Fülle von Zitaten aus Volksliedern, Redewendungen, Literatur und Kabarett. Er hält sich nicht nur bei den Sonnenseiten der Wiener Seele auf, sondern greift auch voll in die Grauslichkeiten des oft wetterwendischen und uneigennützig boshaften Großstädters. Ein Buch, das man nicht so leicht unausgelesen weglegt, und dessen Lektüre wohl auch so manchem Nicht-Wiener das Wienersein als erstrebenswerte Lebensform erscheinen lässt.
Peter Hofbauer: Das Glück ist ein Vogerl. Amalthea Signum, 229 Seiten, 19,95 Euro.