
(pb) Was sich mit dem Titel "Wie gründe ich eine Religion" als Sachbuch tarnt, ist ein großartiger Essay von feinstgesponnener Tiefgründigkeit: Der publizierungsfreudige Religionsphilosoph Adolf Holl verordnet mit fast unerträglicher Leichtigkeit intellektueller Formulierungskunst "Religionsweisheiten", um sie aus dem Scheinwerferlicht seiner präzisen Vorstellung oft abrupt in das Halbdunkel des Schnürbodens der Ungewissheiten zu ziehen. So ist Hundertwassers Forderung, jeder solle bauen dürfen, wie er wolle, auch auf die Gefahr hin, dass das Gebäude dann zusammenbricht, für den Autor "eine wunderbare Maxime für jede Religionsgründung".
Holls stimmiges und im besten Wortsinn witziges Patchwork aus Fakten, Anekdoten und Autobiographischem ist eher ein globaler Zustandsbericht der Suche nach Geborgenheit in einer Glaubensgemeinschaft denn eine Anleitung zur Religionsgründung. Es wird auch klar, dass Holl sich einer solchen nicht unterwinden will, sondern eher die kritische Außenbetrachtung seiner(?) katholischen Kirche vorzieht.
Adolf Holl: Wie gründe ich eine Religion. Residenz Verlag, 144 Seiten, 17,90 Euro.