• vom 20.05.2010, 16:25 Uhr

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Update: 12.12.2012, 18:03 Uhr
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Langsam ins Leben zurückgekehrt

Kambanellis, Iakovos: Die Freiheit kam im Mai


Von Rainer Mayerhofer
  • Die Erinnerungen des Schöpfers der Mauthausen-Kantate, Iakovos Kambanellis.
  • "Wenn mich eine Hand hier plötzlich ergriffe und auf einer Straße in Barcelona, New York oder Stockholm ausließe und ich über Mauthausen zu sprechen begänne, weißt du, was dann passieren würde? Sie würden mich für einen Irren halten, sie würden mich einsperren! (.. .) Hier drinnen brauchst du eine Kruste aus Verrücktheit ums Hirn, damit du überlebst."

Iakovos Kambanellis, der vom Sommer 1943 bis zur Befreiung am 5. Mai 1945 Gefangener im NS-Konzentrationslager Mauthausen war, schildert in seinen Erinnerungen den Rat, den ihm ein Mitgefangener zu Beginn seines Aufenthalts in der Hölle gab.

Deutsche Übersetzung

1963 hat er in seiner griechischen Heimat seine Erinnerungen erstmals veröffentlicht, noch bevor seine Gedichte von Mikis Theodorakis als "Mauthausen-Kantate" vertont wurden. Jetzt liegt erstmals eine deutsche Übersetzung vor.

Kambanellis, der nach der Befreiung Griechenlands Vertreter im internationalen Lagerkomitee war, beginnt sein Buch mit den Tagen unmittelbar vor dem Kriegsende, als sich die ersten SS-Bewacher absetzten, andere sich plötzlich "menschlich" zeigten und Essen aus der Offiziersküche brachten und wieder andere bis zum Schluss Terror ausübten.

Langsam begann nach der Befreiung die Rückkehr ins Leben, immer wieder eingeholt von den schrecklichen Erinnerungen an die vergangenen Monate und Jahre. Und auch die Gegenwart bietet nicht nur Erfreuliches. Die Einheimischen außerhalb des Lagers, die noch einige Monate zuvor eine wilde Hetzjagd auf geflohene russische Gefangene veranstaltet hatten, reagieren auf die befreiten Gefangenen mit Abwehr.

In dieser Atmosphäre lernt Iakovos Kambanellis Iannina kennen, eine 19-jährige Litauerin, die ebenfalls in Mauthausen interniert war. Gemeinsam machen sie die ersten Schritte in der Freiheit, bis ein Italiener auftaucht, den das Mädchen geheiratet hatte, um aus dem Zwangsarbeiterlager zu entkommen. Iannina flieht vor Franco, ihrem unbequemen Ehemann, und lässt sich gemeinsam mit Iakovos sogar im Gefängnis einsperren, wo die früheren Peiniger von der SS auf ihre Verfahren warten.

Kambanellis schildert diese irrealen Szenen ebenso brillant wie seinen Abschied aus Mauthausen, als er gemeinsam mit den jüdisch-griechischen Überlebenden aus dem Lager "entführt" wurde, um in mehreren Transportern illegal über die Grenze am Brenner nach Italien gebracht zu werden. Unter Planen versteckt, werden die Mauthausen-Überlebenden in italienische Hafenstädte gebracht, die Fracht wird als Erdäpfel deklariert. Und das mit Iannina in Piacenza vereinbarte Wiedersehen verläuft anders als geplant.

Iakovos Kambanellis: Die Freiheit kam im Mai. Ephelant Verlag,329 Seiten, 22 Euro, mit CD 34.




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