
(kats) Der Sadist, der seine zwölfjährige Stieftochter vor den Augen der Mutter - und mit deren Unterstützung - in Sadomaso-Praktiken einbindet. Der Alkoholiker, der die Mutter seines Kindes mit brutalen Schlägen so weit bringt, dass sie den Säugling zu Tode foltert. Der verängstigte Immigrant, der aus gekränkter Ehre seine Familie im Auto in einem See versenkt. Diese Männer haben eines gemeinsam: Sie sind Familienväter, die aus den unterschiedlichsten Motiven und Begleitumständen heraus zu Gewalttätern, manchmal auch zu Mördern, wurden. In ihrem Buch "Täter Väter" sucht die Linzer Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner nach diesen Motiven und klärt trocken und nüchtern über die Ursachen auf, die normale Menschen zu Monstern machen können. Dabei bemüht sie ein paar allseits bekannte Fakten - Missbrauchsopfer werden oft selbst zu Tätern -, bietet aber auch Hintergrund-Information über verschiedene psychische Störungen. Das Buch ist weder reißerisch noch voyeuristisch, dennoch ist es spannend und über weite Strecken informativ - was nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass der Leser dennoch in manchen Fällen mit einem großen Fragezeichen zurückgelassen wird. Aber das liegt wohl eher in der Natur der geschilderten Verbrechen als an der Autorin.
Heidi Kastner: Täter Väter. Väter als Täter am eigenen Kind, Ueberreuter Verlag, 175 Seiten, 19,95 Euro.