
(ski) Die Legende lebt - in Büchern und im Film: Im 9. Jahrhundert soll eine gelehrte junge Frau in Männerkleider geschlüpft sein, in Rom Karriere gemacht, die Cathedra Petri bestiegen haben und schließlich nach der Geburt eines Kindes gesteinigt worden sein. Dass diese Päpstin Johanna (es sind auch andere Namen für sie überliefert) tatsächlich existiert hat, halten die deutschen Historiker Max Kerner und Klaus Herbers nach gründlichem Quellenstudium für höchst unwahrscheinlich. Ihr Buch verschweigt nicht die Schattenseiten der Kirchengeschichte - so etwa, dass im 10. Jahrhundert sittenlose Frauen die Macht über die damaligen Päpste ausübten -, aber den "Betriebsunfall" einer Päpstin in der streng männlich dominierten Hierarchie können sie nicht bestätigen. Mag die Päpstin Johanna, außer für Feministinnen, auch nur ein Mythos sein, die Rechtfertigung für Emanzipation in der Kirche ist nicht davon abhängig, ob schon einmal eine Frau durch List das höchste Kirchenamt erlangt hat.
Max Kerner, Klaus Herbers: Die Päpstin Johanna. Biographie einer Legende. Böhlau Verlag, 174 Seiten, 20,50 Euro.