
(was.-) Der Autor sorgt sich um die modernen Menschen, die ihre ungezwungene, ursprünglich kindliche Lebenslust gegen Neurosen und Angststörungen eintauschen. So gesehen hat er vermutlich recht. Zweifelhaft ist, ob man "kultivierte Kindlichkeit" aus einem Buch lernen kann. Kirchmayr hat auch schon über Religionsverlust und Opus Dei geschrieben. Diesmal trägt er etliche nette Kinderwitze zusammen, die freilich in geschriebener Form genau das nicht sind, was sie sein könnten, nämlich eine spontane Enthüllung verschütteter Wahrheiten. Und das ist dann gar nicht mehr lustig. Wer glaubt, einen geschriebenen, analytischen Leitfaden zum kindlichen Glück zu brauchen, greife zu. Kirchmayr macht sich alle großen Geister zu Diensten - von Goethe über Freud, Karl Kraus, Adolf Holl bis Ludwig Wittgenstein und noch ein paar Dutzend. Irgendwie scheinen sie alle seiner Meinung zu sein.
Alfred Kirchmayr: Rettet die Purzelbäume. Kinderwitz und Lebenskunst. Edition Va Bene, 256 Seiten, 21,90 Euro.