• vom 21.12.2009, 16:41 Uhr

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Update: 21.12.2009, 16:41 Uhr
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Glaube zwischen Skepsis und Hoffnung

Knapp, Wolfers: Glaube, der nach Freiheit schmeckt


Von Heiner Boberski
  • Werke von Küng, Körtner und zwei Ordensleuten.
  • Abgrenzung von Dogmatismus und Fundamentalismus.
  • "Ich hoffe darauf, dass es auch für mich einmal eine Auflösung aller Widersprüche und ein Dasein in Harmonie, Frieden und Glück geben und mir an meinem Ende das zuteil wird, was in der ganzen christlichen Tradition die Vision schlechthin, die ,Visio beatifica, die ,seligmachende Schau genannt wird." Das schreibt der große katholische Theologe Hans Küng, der viele Jahre in Tübingen lehrte, am Ende seines Buches "Was ich glaube", und schließt mit jener Passage aus dem 1. Korintherbrief des Apostels Paulus, wo davon die Rede ist, dass Erkennen zunächst Stückwerk ist, "dann aber werde ich ganz erkennen, wie ich auch ganz erkannt worden bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Die größte unter ihnen aber ist die Liebe."

"Skepsis angebracht"

"Alles wird gut (...), weil Gott gut ist." (Wolfers) Foto: bibox

"Alles wird gut (...), weil Gott gut ist." (Wolfers) Foto: bibox "Alles wird gut (...), weil Gott gut ist." (Wolfers) Foto: bibox

Der evangelische Theologe Ulrich Körtner, Ordinarius an der Universität Wien, offenbart gleich am Beginn seines als "Einübung im Christentum" gedachten Werkes "Riskanter Glaube" seinen persönlichen Glauben: "Ja, ich glaube, wobei zu meinem Glauben eine gesunde Portion Skepsis gehört. Sie richtet sich ebenso gegen die Renaissance der Religion wie gegen den neuen Atheismus, dessen militanter Dogmatismus dem religiösen Fundamentalismus, gegen den er lautstark polemisiert, in nichts nachsteht." Körtner führt das näher aus: "Mein Glaube gründet in der Botschaft vom gekreuzigten Gott, die in der Passion Jesu Gott selbst leiden sieht. Jesu Schrei am Kreuz: ,Mein Gott, warum hast du mich verlassen? führt ins Zentrum des christlichen Glaubens, dessen Weisheit sich so gar nicht in den Zeitgeist moderner Spiritualität und Esoterik fügt. Meine Skepsis richtet sich gegen jede Religiosität, die das Skandalon des Kreuzes ignoriert oder verharmlost und Christusnachfolge mit einer vagen Transzendenzsuche verwechselt."

Als "Einladung an Skeptiker und Zweifler" deklariert sich das Buch "Glaube, der nach Freiheit schmeckt" der beiden Ordensleute Andreas Knapp (Mitglied der Kleinen Brüder vom Evangelium in Leipzig) und Melanie Wolfers (Salvatorianerin in Wien). Das Werk setzt sich mit Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie auseinander, spiegelt die persönlichen Lebenserfahrungen der Autoren - Melanie verbrachte einige Zeit in Palästina, Andreas in Bolivien - wider und wird immer wieder von Dialogen der beiden unterbrochen. Einmal bekennt Andreas Knapp: "Ich glaube daran, dass Gott sich in Jesus von Nazareth auf unser menschliches Leben eingelassen hat. Und deshalb kann ich Gott auch in allen Dingen finden." Und Melanie empfindet ein Grundvertrauen, das ihr sagt: "Alles wird gut. Dieser Hoffnung kann ich als Christin einen Namen geben. Alles wird gut, weil Gott gut ist. Er wird es richten. Daher hoffe ich, dass Schmerz und Leid eines jeden Menschen irgendwie in einem Größeren aufgehoben sein werden. Und ich vertraue, dass Gott die Bruchstücke meines Lebens zu einem Ganzen werden lässt."

Aktuell, realitätsnah

Drei Bücher, drei verschieden positive Zugänge zu einem christlichen Glauben, aber keineswegs Werke, die weltfremd wirken oder die Realität des Lebens, die Erkenntnisse der Wissenschaft und die vielen Gründe, an der Existenz eines gütigen Gottes zu zweifeln, außer Acht lassen.

Drei Bücher, die gut geschrieben und, soweit es die Materie zulässt, leicht lesbar sind, die nie zur Indoktrination neigen, sondern sich als Einladungen zum Nachdenken geben. Drei Bücher, die empfehlenswert sind, wobei Küng und Körtner natürlich mehr an theologischem Wissen und Tiefgang einbringen, während Knapp und Wolfers mehr die Beziehung von Glauben und Lebenspraxis - bis hin zum aktuellen Streit um Kruzifixe - zur Sprache bringen.
Wolfers Knapp: Glaube, der nach Freiheit schmeckt. Pattloch Verlag 336 Seiten, 17,50 Euro.




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