"Skepsis angebracht"

Der evangelische Theologe Ulrich Körtner, Ordinarius an der Universität Wien, offenbart gleich am Beginn seines als "Einübung im Christentum" gedachten Werkes "Riskanter Glaube" seinen persönlichen Glauben: "Ja, ich glaube, wobei zu meinem Glauben eine gesunde Portion Skepsis gehört. Sie richtet sich ebenso gegen die Renaissance der Religion wie gegen den neuen Atheismus, dessen militanter Dogmatismus dem religiösen Fundamentalismus, gegen den er lautstark polemisiert, in nichts nachsteht." Körtner führt das näher aus: "Mein Glaube gründet in der Botschaft vom gekreuzigten Gott, die in der Passion Jesu Gott selbst leiden sieht. Jesu Schrei am Kreuz: ,Mein Gott, warum hast du mich verlassen? führt ins Zentrum des christlichen Glaubens, dessen Weisheit sich so gar nicht in den Zeitgeist moderner Spiritualität und Esoterik fügt. Meine Skepsis richtet sich gegen jede Religiosität, die das Skandalon des Kreuzes ignoriert oder verharmlost und Christusnachfolge mit einer vagen Transzendenzsuche verwechselt."
Als "Einladung an Skeptiker und Zweifler" deklariert sich das Buch "Glaube, der nach Freiheit schmeckt" der beiden Ordensleute Andreas Knapp (Mitglied der Kleinen Brüder vom Evangelium in Leipzig) und Melanie Wolfers (Salvatorianerin in Wien). Das Werk setzt sich mit Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie auseinander, spiegelt die persönlichen Lebenserfahrungen der Autoren - Melanie verbrachte einige Zeit in Palästina, Andreas in Bolivien - wider und wird immer wieder von Dialogen der beiden unterbrochen. Einmal bekennt Andreas Knapp: "Ich glaube daran, dass Gott sich in Jesus von Nazareth auf unser menschliches Leben eingelassen hat. Und deshalb kann ich Gott auch in allen Dingen finden." Und Melanie empfindet ein Grundvertrauen, das ihr sagt: "Alles wird gut. Dieser Hoffnung kann ich als Christin einen Namen geben. Alles wird gut, weil Gott gut ist. Er wird es richten. Daher hoffe ich, dass Schmerz und Leid eines jeden Menschen irgendwie in einem Größeren aufgehoben sein werden. Und ich vertraue, dass Gott die Bruchstücke meines Lebens zu einem Ganzen werden lässt."
Aktuell, realitätsnah
Drei Bücher, drei verschieden positive Zugänge zu einem christlichen Glauben, aber keineswegs Werke, die weltfremd wirken oder die Realität des Lebens, die Erkenntnisse der Wissenschaft und die vielen Gründe, an der Existenz eines gütigen Gottes zu zweifeln, außer Acht lassen.
Drei Bücher, die gut geschrieben und, soweit es die Materie zulässt, leicht lesbar sind, die nie zur Indoktrination neigen, sondern sich als Einladungen zum Nachdenken geben. Drei Bücher, die empfehlenswert sind, wobei Küng und Körtner natürlich mehr an theologischem Wissen und Tiefgang einbringen, während Knapp und Wolfers mehr die Beziehung von Glauben und Lebenspraxis - bis hin zum aktuellen Streit um Kruzifixe - zur Sprache bringen.
Wolfers Knapp: Glaube, der nach Freiheit schmeckt. Pattloch Verlag 336 Seiten, 17,50 Euro.