"Ex voto" bedeutet "gemäß einem Gelübde", und es ist durchaus unklar, warum der neue Roman des deutschen Schriftstellers und Pianisten Yorck Kronenberg diesen Titel trägt. Diese Rätselhaftigkeit entspricht genau dem mysteriösen Grundton des Ganzen: Der Arzt Robert Sieburg, irgendwo in der Welt in humanitärer Mission unterwegs, wird von einer terroristischen Gruppierung in Geiselhaft genommen. Zunächst ist Sieburg tief verstört angesichts der Härte und Unnahbarkeit seiner Entführer. Je länger er sich jedoch bei ihnen aufhält, desto genauer begreift er, dass er einem neuzeitfeindlichen, archaischen Stamm mit eigenen Riten und Gesetzen in die Hände gefallen ist. Und je besser er die Ausdrucksweisen seiner Entführer versteht, desto fremder wird ihm die Welt, der er entstammt.
Yorck Kronenbergs Roman greift also ein Thema auf, das in der aktuellen politischen Berichterstattung höchste Brisanz hat. Freilich entkleidet er es aller aktuellen Bezüge. "Ex voto" ist kein Tatsachenroman über die Al Kaida (oder vergleichbare Erscheinungen), sondern eine literarisch ambitionierte, sehr düstere Etüde über das alte Thema "Konfrontation mit dem Fremden".
Yorck Kronenberg: Ex voto. Roman, Droschl Verlag, Graz/ Wien 2011, 183 Seiten, 19,- Euro.