
Am 12. August 1825 bricht Joseph Kyselak, ein 1799 in Wien geborener Beamter, zu einer abenteuerlichen Fußreise durch Österreich auf. Sie führt ihn von Wien über den Semmering in die Steiermark. Er besucht Graz, wandert das Drautal flussaufwärts über Klagenfurt nach Spittal und weiter das Mölltal hoch nach Mallnitz.
In einer bemerkenswerten alpinistischen Leistung überquert Kyselak die Hohen Tauern und gelangt ins Gasteiner Tal. Er wandert ins Berchtesgadener Land, dann über Saalfelden nach Tirol, wo er das Haus von Andreas Hofer besichtigt. Über das Stubaital wandert er nach Innsbruck und weiter nach Kufstein. Die weitere Reiseroute führt ihn nach Salzburg, von dort reist er auf dem Inn und der Donau zurück nach Wien. In Begleitung seines weißen Wolfshundes Duna, ausgerüstet mit Gewehr und Fernrohr, wandert Kyselak auf Straßen, die "Hunderten Verwüstungen preisgegeben" waren, schläft in elenden Quartieren, "Marterkammern" voll von Ungeziefer, bekommt in Gasthäusern oft nichts als hartes, altes Brot und schlechten Branntwein vorgesetzt. Er begegnet Wilderern, und er wird für einen Spion gehalten.
In den Alpen trifft er auf bitterste Armut: "Und so gräbt sich unverdrossen alljährlich der Bauer die Wege zum Leben durch Schnee; bewohnt die Hütte, deren schneebeschwertes Dach die Mutter einstens erdrückte; stürzt mit dem Spaten den Acker, worauf der Vater erfror; oder holet das Holz von der Klippe, wo lockere Steine den Bruder erschlugen."
Graz ist ihm "geliebte Freistadt des Vergnügens und der Anmut", Salzburg macht ihn glauben, er "trete in des Elysiums Gefilde", Linz dagegen ist weder von der "Land- noch Wasserseite einladend". Doch neben prächtigen "Prospekten" bietet sich ihm auf seiner dreimonatigen Wanderung manchmal auch "ermüdendes Einerlei."
1829 erschien Kyselaks Reisebericht erstmals, nun hat Gabriele Goffriller dieses kulturhistorische Kleinod in vorbildlicher Manier neu herausgegeben.
Joseph Kyselak: Skizzen einer Fußreise durch Österreich. Herausgegeben von Gabriele Gofriller. Jung und Jung, Salzburg/ Wien 2009, 480 Seiten, 12 Abbildungen in Farbe, 25 Euro.