• vom 03.05.2010, 17:18 Uhr

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Update: 05.04.2012, 12:09 Uhr
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Mit beiden Beinen fest in den Wolken

Leggewie, Claus / Welzer, Harald: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten


Von Hellmut Butterweck
  • Für Claus Leggewie und Harald Welzer endet ein Zeitalter.
  • Zwei deutsche Universitätsprofessoren, Claus Leggewie und Harald Welzer, malen aus, was nach ihrer Meinung uns allen blüht, wenn die nächsten zehn Jahre nicht genützt werden, um die Kohlendioxid-Emissionen und damit das Weltklima in letzter Sekunde in den Griff zu bekommen, damit "die Erde in hundert Jahren überhaupt noch bewohnbar ist." Das Buch wurde vor der großen Blamage des Weltklimarates geschrieben, wo unwissenschaftlich gearbeitet worden war. Also lesen wir wieder einmal, bis 2050 könnten die Gletscher verschwunden sein. 2250 hätte es heißen sollen.

Die Warnungen der Autoren sind tendenziell richtig, das Buch ist voll mit Fakten, freilich auch mit apokalyptischen Übertreibungen. Die Portion Wut im Bauch, die im Spiel war, tut ihm gut. Manche Flüchtigkeit weniger. Sich "prioritär" in ein Projekt einzuschreiben, ist sprachlich eine Zumutung.

Das Versagen der Märkte und der neoliberalen Wirtschaftspolitik führte zur Krise. Das fortgesetzte Versagen der Politik versetzt allen Hoffnungen, sie könnte wenigstens in Sachen Klima adäquat reagieren, einen kapitalen Dämpfer. Beidem ist zuzustimmen. Zu empfehlen ist das Buch allen, denen es noch an ökologischen Argumenten für die Unmöglichkeit ewigen Wachstums fehlt.

Die Autoren setzen alle Hoffnung auf die demokratische Selbstorganisation eines dem politischen "Oben" intellektuell und moralisch überlegenen "Unten". Auch dagegen kann man schwer etwas haben. Falls für entscheidende Maßnahmen tatsächlich nur noch zehn Jahre zur Verfügung stünden, hätte der große Umschwung, zu dem Leggewie und Welzer aufrufen, freilich etwas vom Apfelbäumchen, das Luther noch am Tag vor dem Weltuntergang pflanzen wollte. Besser als das "business as usual" der Banker, Manager und auf sie hörenden Politiker ist das aber allemal.

Die große Schwäche dieses Buches, die uns freilich bei vielen ökologisch und ethisch motivierten Autoren begegnet, ist das Ausblenden gegenwärtiger ökonomischer Zwänge und Realitäten. Leggewie und Welzer behandeln das Wirtschaftswachstum wie eine schlechte Gewohnheit, von der sich die Menschheit jederzeit verabschieden könnte.

Fliegen wir halt weniger, daheim ist es sowieso schöner. Wer mit beiden Beinen so fest in den Wolken steht, braucht kein Wort über die sozialen und politischen Folgen eines ausbleibenden Wachstums zu verlieren. Doch auf der Ebene der "kleinräumigen Vergesellschaftung" allein, ohne regelnden staatlichen Eingriff in das ökonomische Geschehen, wird es mit Sicherheit nicht gehen. Und ohne Nachdenken darüber, wie solche Maßnahmen aussehen könnten, schon gar nicht.

Claus Leggewie, Harald Welzer: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. S. Fischer Verlag, 278 Seiten, 20,60 Euro.




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