Allerdings stammt dieser Satz Mandelas aus einem im Jahr 1971 verfassten Brief, und damals wusste er noch nicht, dass er später, nach 28 Jahren im Gefängnis, als Präsident und Versöhner der entscheidende Protagonist bei der Überwindung der Apartheid in Südafrika sein würde.
Das mit einem Vorwort von Barack Obama versehene Buch "Bekenntnisse" sammelt geballt Selbstzeugnisse des heute 92-Jährigen. Der Leser begegnet Mandela, einem Sohn von Analphabeten, als Schüler auf dem Land, als Widerstandskämpfer, Häftling und Präsident.
Das Buch macht klar, welche Entbehrungen Mandela für den Freiheitskampf auf sich nahm. So erfuhr er vom Tod seines Sohnes Madila Thembelike im Gefängnis. Mandelas Antrag, am Begräbnis teilnehmen zu dürfen, "wurde einfach ignoriert, man brachte nicht einmal die Höflichkeit auf, den Eingang des Schriftstückes zu bestätigen", berichtet der Widerstandskämpfer in einem Brief.
Diese war nur eine unter vielen Erniedrigungen, die er während seiner Haftzeit erdulden musste. Wenn man von der knochenharten, schikanösen Arbeit im Steinbruch liest, die politische Häftlinge brechen sollte, ist es umso bewundernswerter, dass Mandela den Weg der Versöhnung und nicht der Vergeltung gegangen ist.
Seine Briefe und Gesprächsaufzeichnungen machen klar, dass er sich nie von Emotionen überwältigen ließ, sondern sich auch noch beim sadistischsten Wärter die Motive und Gründe für dessen Handeln zu erklären versuchte. Auch als Präsident blieb Mandela ein Mensch, der Entscheidungen ruhig abwog.
Südafrika stand nach dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 am Rande eines Bürgerkriegs. Weiße Extremisten versuchten durch eine Reihe von Anschlägen den Versöhnungsprozess systematisch zu torpedieren. Dass dieser Prozess nicht scheiterte und Südafrika der Weg in eine multikulturelle Demokratie gelungen ist, ist niemandem mehr zu verdanken als Mandela. Seine Selbstzeugnisse zeichnen eindringlich und, was mehr ist, ohne die interpretative Einmischung eines Biographen den Weg dieses großen Versöhners nach.
Nelson Mandela: Bekenntnisse. Vorwort von Barack Obama. Übersetzt von Anne Emmert, Hans Freundl, Werner Roller. Piper, 458 Seiten, 23,60 Euro.