
Arbeitslosigkeit geht selten mit - wie Westerwelle meint - "spätrömischer Dekadenz" einher, dafür oft mit Armut. Und "arm" ist nicht nur, wer auf der Parkbank übernachten muss. Dieses stereotype Bild wollen Martin Schenk und Michaela Moser auslöschen und dafür die vielen Aspekte von Armut sichtbar machen. "Es reicht! Für alle!" haben sie ihr Buch genannt.
Die Wut der Autoren über das Vermeidbare ist also schon im Titel nicht zu übersehen. Sie wissen, wovon sie sprechen, seit Jahren sind sie über ihre Mitarbeit bei der Diakonie, der Schuldnerberatung und dem Netzwerk Armutskonferenz Tag ein Tag aus mit dem Thema konfrontiert.
Von Scheidung über Migration, von der Definition von Armut über die Definition von Reichtum, von Heizkosten über Anschaffungen für die Schule, von prekärer Arbeit über das Steuersystem - Schenk und Moser gehen es von allen Seiten an und erwähnen dabei auch, worüber Ökonom Markus Marterbauer in "Wem gehört der Wohlstand" geschrieben hat: Es ist auch volkswirtschaftlich sinnvoll, die Verteilungsfrage zu stellen. Die Lösungsvorschläge driften bei Schenk und Moser aber immer wieder sehr ins Allgemeine ab: "Zigtausende Arbeitsplätze" könnten geschaffen werden durch "Investitionen in Schlüsselsektoren wie öffentlichen Verkehr, sozialen Wohnbau, Gesundheitsvorsorge"; im Pflegebereich sollten "Lücken geschlossen und Dienstleistungen ausgebaut" werden; die "pädagogische Qualifikation des Lehrpersonals vom Kindergarten bis zum Gymnasium" sei von "zentraler Bedeutung". Zum Merkzettel für Debatten eignen sich die Pauschalempfehlungen aber - den Blick aufs Ganze zu werfen, vergessen ja nicht nur Politiker gern.
Michaela Moser, Martin Schenk: Es reicht! Für alle! Wege aus der Armut. Deuticke Verlag, 236 Seiten, 20,50 Euro.