• vom 30.11.2009, 17:31 Uhr

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Update: 30.11.2009, 17:42 Uhr
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Die Geschichte der Familie Frank aus tausenden Briefen rekonstruiert

Pressler / Elias: Grüße und Küsse an alle - Die Geschichte der Familie von Anne Frank


Von Rainer Mayerhofer
  • Gutsituierte bürgerliche Familie von den Nazis aus Frankfurt vertrieben.
  • Anne Franks Tagebuch hat das Leben nach dem Holocaust geprägt.
  • Auf dem Dachboden eines Hauses in der Baseler Herbstgasse, in dem Anne Franks Tante Helene und ihre Großmutter Alice seit den Dreißigerjahren gelebt haben und ihr Vater Otto in den Fünfzigerjahren eine Zeitlang gewohnt hat, schlummerte jahrzehntelang ein ungehobener Schatz. Gerti Elias, die aus der Steiermark stammende Frau von Anne Franks Cousin Buddy Elias hat vor Jahren begonnen, die Korrespondenz der Familie Frank zu sichten. Mirjam Pressler, die zweite Übersetzerin des Tagebuchs von Anne Frank, hat auf diese wichtige Vorarbeit aufbauend ein Buch über die Geschichte der Familie Frank verfasst, das den gesellschaftlichen Hintergrund der Familie vor der Hitlerzeit erhellt und die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, die wesentlich vom Engagement für das Tagebuch bestimmt war.

Margot und Anne Frank mit ihrer Großmutter mütterlicherseits etwa 1939. Foto: Anne-Frank-Archiv

Margot und Anne Frank mit ihrer Großmutter mütterlicherseits etwa 1939. Foto: Anne-Frank-Archiv Margot und Anne Frank mit ihrer Großmutter mütterlicherseits etwa 1939. Foto: Anne-Frank-Archiv

Alice Frank (1865-1953), die Großmutter Anne Franks väterlicherseits, stammte ebenso wie ihr Mann Michael aus einer wohlhabenden Familie. Nach dem frühen Tod ihres Mannes im September 1909 lebte Alice in enger Verbindung mit ihren Söhnen Robert, Otto, Herbert und der Tochter Helene, die mit ihrem Ehemann Erich Elias schon in den Zwanzigerjahren aus beruflichen Gründen nach Basel übersiedelt war. Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, zog auch Alice nach Basel. Die übrige Familie wurde über ganz Europa verstreut. Robert Frank emigrierte nach London, Herbert nach Frankreich, von wo er dann später ebenfalls nach Basel weiterflüchtete. Otto Frank ging mit seiner Frau Edith und den Töchtern Margot und Anne nach Amsterdam, wo sie sich ab Sommer 1942, als Margot deportiert werden sollte, im Hinterhaus seiner Firma versteckt hielten - betreut von seinen früheren Angestellten, unter ihnen die aus Wien stammende Miep Gies, die nach der Verhaftung der Untergetauchten im Sommer 1944 das Tagebuch Anne Franks in Sicherheit brachte.

Als Otto Frank 1945 aus Auschwitz zurückkehrte, erfuhr er schon bald, dass seine Frau Edith im Jänner im Konzentrationslager verstorben war. Die Familie klammerte sich aber noch immer an die Hoffnung, dass die beiden Töchter überlebt haben könnten. Wie auch die Schwiegermutter seine Schwester Helene darauf hoffte, dass ihr vermisster Sohn Paul heimkehren würde.

Otto Frank schreibt aus Amsterdam, wo er bei Miep Gies untergekommen ist, erschütternde Briefe an die Verwandten in Basel und betont bei den ersten Besuchen, dass es keine Worte dafür gebe, was die Familie in Auschwitz durchlitten hat. "Manchmal denke ich, man müsste eine neue Sprache dafür erfinden, sagt er seinem Neffen Buddy, dem Sohn Helenes.

Bald aber widmet sich Otto Frank ganz dem Tagebuch seiner Tochter Anne, das unmittelbar nach dem Krieg von mehreren Verlagen abgelehnt wird. 1947 wird es dann in den Niederlanden erstmals veröffentlicht und wird in den Jahren danach zum internationalen Bestseller. Doch Otto Frank, der die Einnahmen aus den Urheberrechten in eine Stiftung einbringt, die dem Andenken seiner Töchter und der Millionen getöteten Juden gewidmet ist, bekommt auch bald Probleme. Ein Streit um eine Theaterstück in den USA und die Filmrechte zieht sich jahrelang dahin und raubt wertvolle Energien.

In den Fünfzigerjahren schließlich zieht Otto Frank mit seiner zweiten Ehefrau, ebenfalls einer Überlebenden von Auschwitz, zur Familie nach Basel, wo er 1980 91-jährig stirbt.

Mirjam Pressler, Gerti Elias: "Grüße und Küsse an alle" - Die Geschichte der Familie von Anne Frank. S.Fischer Verlag, 420 Seiten, 23,60 Euro.




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Sachbuch



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