
Alice Frank (1865-1953), die Großmutter Anne Franks väterlicherseits, stammte ebenso wie ihr Mann Michael aus einer wohlhabenden Familie. Nach dem frühen Tod ihres Mannes im September 1909 lebte Alice in enger Verbindung mit ihren Söhnen Robert, Otto, Herbert und der Tochter Helene, die mit ihrem Ehemann Erich Elias schon in den Zwanzigerjahren aus beruflichen Gründen nach Basel übersiedelt war. Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, zog auch Alice nach Basel. Die übrige Familie wurde über ganz Europa verstreut. Robert Frank emigrierte nach London, Herbert nach Frankreich, von wo er dann später ebenfalls nach Basel weiterflüchtete. Otto Frank ging mit seiner Frau Edith und den Töchtern Margot und Anne nach Amsterdam, wo sie sich ab Sommer 1942, als Margot deportiert werden sollte, im Hinterhaus seiner Firma versteckt hielten - betreut von seinen früheren Angestellten, unter ihnen die aus Wien stammende Miep Gies, die nach der Verhaftung der Untergetauchten im Sommer 1944 das Tagebuch Anne Franks in Sicherheit brachte.
Als Otto Frank 1945 aus Auschwitz zurückkehrte, erfuhr er schon bald, dass seine Frau Edith im Jänner im Konzentrationslager verstorben war. Die Familie klammerte sich aber noch immer an die Hoffnung, dass die beiden Töchter überlebt haben könnten. Wie auch die Schwiegermutter seine Schwester Helene darauf hoffte, dass ihr vermisster Sohn Paul heimkehren würde.
Otto Frank schreibt aus Amsterdam, wo er bei Miep Gies untergekommen ist, erschütternde Briefe an die Verwandten in Basel und betont bei den ersten Besuchen, dass es keine Worte dafür gebe, was die Familie in Auschwitz durchlitten hat. "Manchmal denke ich, man müsste eine neue Sprache dafür erfinden, sagt er seinem Neffen Buddy, dem Sohn Helenes.
Bald aber widmet sich Otto Frank ganz dem Tagebuch seiner Tochter Anne, das unmittelbar nach dem Krieg von mehreren Verlagen abgelehnt wird. 1947 wird es dann in den Niederlanden erstmals veröffentlicht und wird in den Jahren danach zum internationalen Bestseller. Doch Otto Frank, der die Einnahmen aus den Urheberrechten in eine Stiftung einbringt, die dem Andenken seiner Töchter und der Millionen getöteten Juden gewidmet ist, bekommt auch bald Probleme. Ein Streit um eine Theaterstück in den USA und die Filmrechte zieht sich jahrelang dahin und raubt wertvolle Energien.
In den Fünfzigerjahren schließlich zieht Otto Frank mit seiner zweiten Ehefrau, ebenfalls einer Überlebenden von Auschwitz, zur Familie nach Basel, wo er 1980 91-jährig stirbt.
Mirjam Pressler, Gerti Elias: "Grüße und Küsse an alle" - Die Geschichte der Familie von Anne Frank. S.Fischer Verlag, 420 Seiten, 23,60 Euro.