Das Bibelwort vom Himmelreich, das einem Sauerteig gleiche (Mt. 13,33), vom Theologischen ins Ästhetische transponierend, kann man sagen: die Lyrik ist gleichsam der Sauerteig der Dichtkunst. Im Gedicht offenbart sich die höchste wie tiefste Wortgewalt und Wortgestalt. Im Banne dieses Sprachgeheimnisses schreibt Hans Raimund Lyrik, zum Beispiel "Choral Variationen", entwachsend dem Grundmotiv "Er schreit nicht Er spricht leise zu sich selber / Er spricht sich vor . . . Gewöhnt daran das was er sagt verhallt im Raum / An Wände prallt die er um sich herum gemauert hat".
Über Bild und Wirklichkeit, Kunst und Leben und Tod reflektierend, fügen sich des Dichters Resignation und Wehmut in die doch immer noch geglaubte Hoffnung, dass Trost werde durch das Wort. Ungewohnt ist Raimunds stilistische Manier, statt Punkt oder Komma Doppelabstände zu setzen, wohlvertraut die zwischen die Gedichte gebetteten Bildzeugnisse der Stileigenart des Malers Friedrich Danielis.
Hans Raimund: Choral Variationen. Mit Offsetfarblithographien von Friedrich Danielis. Edition Thurnhof, Horn 2011, 42 Seiten, 24,- Euro.