• vom 09.07.2010, 17:50 Uhr

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Update: 09.07.2010, 17:51 Uhr
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Das Buch "Zwischen den Blöcken" zeigt Österreichs militärische Situation im Spannungsfeld des Kalten Krieges

Rauchensteiner, Manfred (Hg.): Zwischen den Blöcken


Von Georg Friesenbichler
  • Traditionelle Sicht: Feind steht im Osten.
  • Alte Szenarien sind längst überholt.
  • Bundesheer fehlten stets Finanzmittel.
  • Das kürzlich ausgegebene Einmotten-Motto, bezogen auf Österreichs Panzerwaffe, hat erstaunlich wenig Widerspruch geerntet. Zu einleuchtend schien die Begründung von Verteidigungsminister Norbert Darabos, heute seien "keine Panzerschlachten im Marchfeld" zu erwarten. Diese wären in den Einsatzplänen zwar ohnehin nicht vorgesehen gewesen, in Zeiten des "Sparzwangs" deutet sich aber hier der Wille an, über neue Strategien nachzudenken, die mit heutigen geopolitischen Gegebenheiten übereinstimmen.

Hochwassereinsatz: Bleiben dem Bundesheer solche traditionellen Aufgaben? Foto: apa

Hochwassereinsatz: Bleiben dem Bundesheer solche traditionellen Aufgaben? Foto: apa Hochwassereinsatz: Bleiben dem Bundesheer solche traditionellen Aufgaben? Foto: apa

Geringe finanzielle Ausstattung und Unsicherheit über die eigenen Verteidigungsanstrengungen begleiten das österreichische Bundesheer freilich von seiner Gründung an. Dies lässt sich aus dem dickleibigen Band "Zwischen den Blöcken" herauslesen, der Österreich im Spannungsfeld des Kalten Krieges zeigt. Der Schwerpunkt der zwölf Autoren liegt dabei vor allem auf den Planspielen der Nato, des Warschauer Paktes und eben des österreichischen Militärs.

In Letzteren war das Bedrohungsbild klar: Der Feind stand im Osten. Schließlich war die B-Gendarmerie, Vorläuferorganisation des Bundesheeres, auf Drängen der USA gebildet und mit amerikanischen Waffen ausgerüstet worden. Erst als eine bescheidene militärische Grundstruktur erkennbar war, gaben die USA ihre Vorbehalte gegen einen österreichischen Staatsvertrag auf. Und die Sowjetunion rückte von der Verknüpfung der österreichischen mit der deutschen Frage ab, da der Beitritt der Bundesrepublik zur 1949 gegründeten Nato bevorstand.

Am 15. Mai 1955 durfte Außenminister Leopold Figl den Staatsvertrag mit den Worten "Österreich ist frei" verkünden. Tags zuvor war der Warschauer Pakt gegründet worden, laut dem Historiker Wolfgang Müller vorwiegend als "Spielgeld", einzutauschen gegen die Auflösung der Nato und für die Schaffung eines gesamteuropäischen Sicherheitssystems - ein Konzept, das sich heute noch in Reden russischer Politiker findet.

Nie auf Äquidistanz

Im österreichischen Heer geisterte noch jahrelang der Gedanke eines Stellvertreterkrieges, in dem Österreich von Ungarn und der Tschechoslowakei attackiert werden würde - nicht die einzige fehlerhafte Einschätzung der Militärs.

Die USA hatten indessen schon früh mit Hilfe von Marshall-Plan, Nato und antikommunistischen Untergrundoperationen in Westeuropa einen mächtigen Block geschmiedet. Manche Politiker hätten sich diesem gerne angeschlossen, und auch die Bevölkerungsmehrheit war klar westlich orientiert. Dazu trugen die Medien maßgeblich bei, wie Berthold Molen darlegt. Die Zeitungen waren in der Besatzungszeit großteils mit westlicher Unterstützung geschaffen worden.

Dieser antikommunistische Konsens wurde in den Tageszeitungen noch unversöhnlicher demonstriert als in der Politik. Die bis 1966 ÖVP-geführten Koalitionsregierungen mussten den sowjetischen Staatvertragspartner daher oft beruhigen - wobei von einer Äquidistanz zu den Blöcken nie die Rede sein konnte, wie der ehemalige SPÖ-Außenminister Peter Jankowitsch im Buch anmerkt.




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