Nicht nur Bücher haben ihre Schicksale, sondern auch allein erziehende Mütter. Ein solches Frauenschicksal ist Gegenstand des Buchs "Vertrocknete Vögel", verfasst von der jungen Sophie Reyer (Jahrgang 1984), die nicht nur komponiert ("ichsplitter", "stopfleber"), sondern auch schreibt: Lyrik ("geh dichte"), Stücke ("Ritsche-Ratsche"), jetzt auch einen (Roman). Die Gattungsbezeichnung steht korrekterweise in Klammern, denn ein richtiger Roman ist Reyers Versuch, die Außen- und Innenansichten eines nicht eben geglückten Frauenlebens darzustellen, tatsächlich nicht. Eher eine impressionistische Parallelerzählung, deren Präsensstory Szenen aus dem Alltag transportiert, während auf der (kursiv gesetzten und meist satzzeichenlosen) Vergangenheitsschiene Rückblenden laufen. Einerseits auf penible Weltbeschreibung Wert legend, schickt die Autorin andererseits ihre Protagonistin in feuchte Reflexionsgebiete sexueller und seelischer Grundprägungen. Kurzum, ein literarisches Experiment (dem Musikbegleitung nicht schaden könnte).
Sophie Reyer: Vertrocknete Vögel. (Roman). Leykam Verlag, Graz 2008, 136 Seiten, 14,90 Euro.