Im konkreten Fall wurde es ein überaus differenziertes Bild, zugleich aber ein noch verwirrenderes als zuvor. Denn noch unvermittelter stehen die kulturellen Leistungen neben den blutigen Menschenopfern, welche die Azteken von den Ureinwohnern ihres Staatsgebietes übernahmen. Doch angesichts der Ausweitung des Kultes mit seinen für Nicht-Azteken schier unglaublichen Einzelheiten drängt sich eine Frage auf, die sich der Fachwissenschafter als zu spekulativ verbieten muss: Ob eine ganze Kultur psychisch entgleisen und eine Richtung einschlagen kann, von deren Möglichkeit wir anderen nur anlässlich einer bestimmten Art von Kriminalfällen etwas ahnen. Die vielen ungemein ästhetischen Bilder aus den Handschriften machen das Buch besonders kostbar.
Berthold Riese: Das Reich der Azteken. C.H. Beck, 432 Seiten, 30,80 Euro.