Ismael und Otilia bleiben in San José - obwohl vor zwei Jahren in der Kirche eine Bombe explodierte und vierzig Menschen in den Tod riss, und seither in diesem kleinen kolumbianischen Dorf die Angst regiert. Doch Ismael, inzwischen siebzig Jahre alt, hat ein Leben lang hier unterrichtet und genießt seinen Ruhestand beim Orangenpflücken. Mehr braucht er nicht, und schon gar keinen Bürgerkrieg, der sich allmählich wieder San José nähert.
Evelio Rosero zeichnet in dem Roman "Zwischen den Fronten" mit dem Lehrer Ismael Pasos eine Figur, die nicht mehr gewillt ist mitzuspielen, nicht mehr unterscheidet zwischen Paramilitärs, Guerilla-Truppen oder Regierungssoldaten. Als seine Otilia ebenfalls "verschwindet", kommt ihm der Sinn des Lebens vollends abhanden.
Dem 50-jährigen kolumbianischen Schriftsteller gelingt es über weite Strecken, Schrecken und Idylle in einem labilen Gleichgewicht zu halten, indem er in Pasos das Unversehrte, das Alltägliche aufrecht erhält; so stellt sich ein letzter Rest Menschlichkeit blinder Gewalt entgegen. Hoffnungslos, aber nicht trostlos.
Evelio Rosero: Zwischen den Fronten. Roman. Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Berlin Verlag, Berlin 2008, 175 Seiten, 19,90 Euro.